Demenz und Alzheimer Risikofaktoren im Fokus

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Demenz und Alzheimer Risikofaktoren werden immer deutlicher, moderate körperliche Aktivität verringert das Demenzrisiko, schlechter Schlaf erhöht es.

Teilnahme an mentalen und körperlichen Aktivitäten im mittleren Alter können vor Demenz und Alzheimer schützen. Dies bestätigten Wissenschafter im Zuge der internationalen Konferenz der Alzheimer’s Association (AAIC) 2014 in Kopenhagen. Außerdem berichteten Wissenschafter, dass Schlafstörungen, speziell in Kombination mit einer posttraumatischen Belastungsstörung, das Demenzrisiko bei Veteranen erheblich erhöht.

Bei Menschen der Altersgruppe 90+ schützt hoher Blutdruck vor dem Verlust kognitiver Fähigkeiten, ein Widerspruch zur allgemeinen Annahme, dass Herz-Kreislauf wie Bluthochdruck Demenz und Alzheimer Risikofaktoren sind.

„Herauszufinden, welche spezifischen Faktoren das Alzheimer- bzw. Demenzrisiko positiv oder negativ beeinflussen, stellt eine wichtige Komponente im Kampf gegen diese Erkrankungen dar“, so Dr. Heather Snyder, Direktorin der Alzheimer’s Association. „Die Möglichkeiten der Risikomimimierung durch bestimmte Verhaltensmaßnahmen werden immer deutlicher. Wir lernen, dass sich Alzheimer Risikofaktoren im Laufe des Lebens verändern können. Die Ergebnisse der AAIC 2014 unterstreichen die Notwendigkeit großer angelegter Langzeitstudien in verschiedenen Bevölkerungsschichten. Es gilt herauszufinden, wie sich bestimmte Lebensgewohnheiten positiv auf spätere Erkrankungsrisiken auswirken könnten. Auf welche Ernährung sollte geachtet werden? Wieviel und welche Form der körperlichen Aktivität sollte ausgeübt werden? Wie verändern sich die Demenz und Alzheimer Risikofaktoren im Laufe des Alters?“

 

Bringt kognitiven Stimulierung ein größeres Gehirnvolumen?

Aktivitäten zur kognitiven Stimulierung werden mit größerem Gehirnvolumen und besseren kognitiven Testergebnissen assoziiert. Frühere Studien deuteten darauf hin, mentalen Aktivitäten und Herausforderungen, die Gesundheit unsers Gehirns fördern und somit möglicherweise das Alzheimer- oder Demenzrisiko senken. Die Mechanismen dahinter sind jedoch bis heute nicht vollständig geklärt.

Im Zuge der AAIC 2014, stellten Wissenschafter des Wisconsin Alzheimer’s Institute und des Wisconsin Alzheimer’s Disease Research Center Ergebnisse einer Studie mit 329 Erwachsenen mittleren Alters mit normalen kognitiven Fähigkeiten vor. Die Teilnehmer hatten alle ein erhöhtes Risiko kognitive Erkrankungen zu entwickeln. Die Teilnehmer gaben an, in welcher Häufigkeit sie kognitiv stimulierende Aktivitäten absolvieren. Dies wurde anhand einer Kognitiven Aktivitätsskala (CAS) festgelegt. Weiters wurden bildgebende Untersuchungen des Gehirns und neurokognitive Tests durchgeführt. Die Wissenschafter legten großen Fokus auf sogenannte CAS-Spiele, ein Teil der Skala, die ermittelt wie oft sich die Teilnehmer mit Spielen wie z.B. Kartenspiele, Kreuzworträtsel oder Puzzels beschäftigten.

Die Studie ergab, dass jene Teilnehmer die öfters Spiele zur kognitiven Förderung spielten, eine größeres Gehirnvolumen aufwiesen, speziell in Regionen die mit der Alzheimer Erkrankung in Verbindung stehen. Außerdem schnitten diese Teilnehmer bei den durchgeführten kognitiven Tests besser ab. Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass bei manchen Menschen die regelmäßige Teilnahme an kognitiv stimulierenden Aktivitäten bestimmte Gehirnstrukturen, bzw. -regionen schützt.

 

Moderate körperliche Aktivität gegen Demenz und Alzheimer Risikofaktoren

Einer der wichtigsten Faktoren in der Minimierung des Alzheimer- und Demenzrisikos ist regelmäßige körperliche Betätigung. Dr. med. Yonas E. Geda, und ihre Kollegen in der Mayo Clinic Study of Aging untersuchten den Zusammenhang zwischen körperlicher Bewegung und dem Risiko an Demenz zu erkranken. Die Studie umfasste 280 ältere Personen mit milden kognitiven Beeinträchtigungen (leichte Abnahme kognitiver Fähigkeiten, unter anderem Gedächtnis und Denkvermögen) und somit erhöhtem Alzheimer Risiko.

Studienteilnehmer gaben an, wie häufig und in welcher Intensität sie sich körperlich betätigen. Die Studie zu den Alzheimer Risikofaktoren beobachte die Teilnehmer über drei Jahre und kam zu dem Schluss, dass langfristige körperliche Aktivität das Risiko an Alzheimer zu erkranken signifikant senkt.

Aufgrund dieser und weiterer Studien, kommen Wissenschafter zu dem Schluss, dass verschiedene Levels körperlicher Aktivität, speziell bei Teilnehmern mittleren Alters, kognitive Funktionen positiv beeinflusst. Weitere Studien sind notwendig, um das Ausmaß und die Art der Bewegung als protektive Maßnahme bei milden kognitiven Beeinträchtigen und Demenz festzulegen.

 

Schlechter Schlaf gehört zu den Demenz und Alzheimer Risikofaktoren, posttraumatische Belastungsstörungen verdoppeln das Risiko

Dass Schlafstörungen zu den wichtigsten Alzheimer Risikofaktoren beziehungsweise bei anderen kognitiven Erkrankungen gehören, ist bestens bekannt. Genaue Untersuchungen dieses Sachverhaltes bei Veteranen wurden jedoch noch nicht durchgeführt. Im Zuge der AAIC 2014, stellte Dr. med. Kristine Yaffe und ihr Team von der Universität Kalifornien, Ergebnisse einer retrospektiven Studie bezüglich Schlafstörungen und Demenz an 200,000 Veteranen der Altersgruppe 55+ vor.

Wissenschafter stellten fest, dass Veteranen mit nicht spezifischen Schlafstörungen, Apnoe oder Schlaflosigkeit ein 30 Prozent höheres Demenzrisiko gegenüber Veteranen ohne Schlafstörungen aufweisen. Außerdem stellten sie fest, dass das zusätzliche Vorliegen Posttraumatischer Belastungsstörungen das Demenzrisiko um 80 Prozent erhöhte.

Weitere Forschungsarbeiten sind gefragt, die die Rolle von Schlafstörungen als Risikofaktor oder frühzeitiges Symptom für Demenz evaluieren.

 

Bei Patienten der Altersgruppe 90+ kann spätes Einsetzen von Bluthochdruck vor Demenz schützen.

Bei Menschen mittleren Alters zählt Bluthochdruck zu den Risikofaktoren für Alzheimer und Demenz. Studien lassen jedoch vermuten, dass sich dies im Laufe des Alterns verändert. So könnte Bluthochdruck im hohen Alter, dh. bei Patienten der Altersgruppe 90 + sogar vor Demenz schützen. Diese Zusammenhänge waren Teil einer Studie an der Universität Kalifornien. Die Wissenschafter stellten fest, dass Teilnehmer mit Bluthochdruck, welcher zwischen 80 und 89 begann, ein signifikant niedrigeres Demenzrisiko, gegenüber Teilnehmern ohne Bluthochdruck, hatten. Bei Patienten, wo der Bluthochdruck mit 90 oder später eintrat, war das Demenzrisiko noch niedriger.

Die Studie zeigt, dass hoher Blutdruck bei der Generation 90+ kein Demenz Risikofaktor sondern Schutz vor Demenz bietet. Es ist wichtig, diese Mechanismen zu verstehen, denn Empfehlungen für gesunden Blutdruck bei Menschen der Altersgruppe 90+ könnten sich demnach von jenen für jüngere Menschen unterscheiden.

Bildtext: Die an Alzheimer erkrankte Mutter des Fotographen @ Vince Alongi / CC2-0; flickr.com

Weitere Informationen zu Demenz und Alzheimer Risikofaktoren:

http://www.alz.org/

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15212825

http://www.neurobiologyofaging.org/article/S0197-4580(03)00238-0/abstract

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0755498206748102

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About Author

Dipl.-Ing. Alexandra Springler

Seit 2011 ist Dipl.-Ing. Alexandra Springler MEDMIX- und AFCOM-Mitarbeiterin. Nach Abschluss ihres Biotechnoligiestudiums ist sie nun in der Forschung tätig und absolviert zur Zeit ihr Doktorat.

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