Darmkrebs Gewicht: Vorteil für dickere Patienten

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Darmkrebs Gewicht: Dünne Patienten mit Darmkrebs haben geringere Überlebenschancen als Übergewichtige oder Fettleibige, so eine aktuelle Studie mit überraschendem Ausgang.

 

Übergewicht und ein zu hoher Body Mass Index sind gefährlich, keine Frage. Insbesondere sollte das Risiko an Dickdarmkrebs zu erkranken, in diesem Zusammenhang nicht unterschätzt werden. Doch nun behaupten Wissenschafter des Duke University Medical Center, dass dünnere Patienten nach der Behandlung einer bereits fortgeschrittenen Darmkrebserkrankung schlechtere Mortalitätsraten haben sollen..

Die Studie, die im Zuge des European Society for Medical Oncology World Congress on Gastrointestinal Cancer präsentiert wurde, zeigte dass Patienten mit niedrigem bis normalem Körpergewicht in der Regel zweieinhalb Monate kürzer leben, als übergewichtige oder fettleibige Krebserkrankte – in den Augen der Wissenschaftler ein interessantes und vor allem überraschendes Ergebnis.

 

Eigentlich hatten die Forscher erwartet, dass fettleibige Patienten bei fortgeschrittenem Dickdarmkrebs mit Stadium 4 im Vergleich zu dünnen bis normalgewichtigen Probanden schlechter auf die Therapie reagieren würden. Doch das Gegenteil war der Fall. © jovan vitanovski / shutterstock.com

Eigentlich hatten die Forscher erwartet, dass fettleibige Patienten bei fortgeschrittenem Dickdarmkrebs mit Stadium 4 im Vergleich zu dünnen bis normalgewichtigen Probanden schlechter auf die Therapie reagieren würden. Doch das Gegenteil war der Fall. © jovan vitanovski / shutterstock.com

 

Der Zusammenhang Darmkrebs Gewicht wurde falsch eingeschätzt

Eigentlich hatten die Forscher erwartet, dass fettleibige Patienten bei fortgeschrittenem Dickdarmkrebs (Stadium 4), im Vergleich zu dünnen bis normalgewichtigen Probanden, schlechter auf die Therapie reagieren würden. Diese Annahme basierte auf der Tatsache, dass Personen mit hohem Körpergewicht von Haus aus ein höheres Erkrankungsrisiko aufweisen. Es bestehen viele Hinweise darauf, dass fettleibige Patienten nicht die optimalen Dosierungen der Krebsmedikamente bekommen oder andere gesundheitlicher Probleme den Genesungsverlauf negativ beeinflussen.

„Im Gegensatz zu unserer ursprünglichen Hypothese, haben Patienten mit geringem BMI die kürzeste Überlebensdauer,“ so Erstautor Yousouf Zafar, Professor an der Duke University. „Patienten mit dem geringsten BMI – also Patienten mit metastasierendem Darmkrebs und einem BMI unter 25 – wiesen das größte Risiko auf.“

Richtlinien zufolge liegt ein gesunder BMI für Erwachsene zwischen 18,5 und 24. Personen mit einem BMI unter 18,5 gelten als untergewichtig.

Die Wissenschafter untersuchten Daten von 6.128 Patienten aus vier verschiedenen Studien, deren metastasierender Darmkrebs zuvor nicht behandelt wurde. Der durchschnittliche BMI lag zu Beginn der Krebsbehandlung bei 25,3 – demnach waren Probanden leicht übergewichtig.

Alle Patienten erhielten eine Kombination aus Bevacizumab und Chemotherapie. Bevacizumab ist ein sogenannter Angiogenesehemmer. Letztere beschreibt die Neubildung von Blutgefäßen im menschlichen Körper, die für das Fortschreiten zahlreicher Krebserkrankungen von großer Bedeutung ist und ein zentrales Angriffsziel der modernen Krebstherapie darstellt.

Die prospektive Beobachtungsstudie teilte Patienten je nach BMI in vier Gruppen, wobei die Überlebensraten der Patienten sowie das sogenannte progressionsfreie Überleben ermittelt wurde. Letzteres ist jene Zeitspanne zwischen Startzeitpunkt einer Studie bis zur Progression der Krankheit.

Patienten mit dem geringsten BMI zwischen 20 und 24,9, deren Gewicht also als normal bzw. gesund galt, überlebten ab Beginn der Studie durchschnittlich 21,1 Monate. Patienten deren BMI sich zwischen 25 und 29 bewegte und als übergewichtig galten, überlebten stattdessen durchschnittlich 23,5 Monate. Lag der BMI zwischen 30 und 35, wonach die Patienten als fettleibig galten, betrug die durchschnittliche Überlebenszeit ab Beginn der Studie bei 24 Monaten. Probanden mit einem BMI von mehr als 35 überlebten durchschnittlich 23,7 Monate.

 

Übergewicht sollte nicht als Schutz für Darmkrebspatienten beurteilt werden

Übergewicht sollte dennoch keinesfalls als Schutz für Patienten, die sich einer Krebstherapie unterziehen, gelten. Die aktuelle Studie lässt jedoch auch einen bis dato unbekannten biologischen Aspekt schließen, wodurch die Prognose für dünnere Patienten etwas schlechter ausfällt, so Zafar.

„Möglicherweise gibt es eine Verbindung zwischen geringem BMI und dem Ausmaß der von den jeweiligen Patienten tolerierten Behandlung,“ so Zafar. „Es wäre vorstellbar, dass Patienten der geringsten Gewichtsklasse auch ein geringeres Behandlungsausmaß ertragen. Möglicherweise war letzteres zu Beginn ausreichend und musste anschließend aufgrund zu starker Nebenwirkungen reduziert werden. Dies gilt es zukünftig näher zu erforschen.“

Video: Eine Duke Medicine Studie zeigt: dünne Darmkrebspatienten haben im Vergleich zu übergewichtigen und fettleibigen Patienten eine kürze Überlebensdauer. Der aktuellen Studie zufolge, lebten Patienten mit geringem BMI durchschnittlich zweieinhalb Monate kürze als jene mit hohem BMI.

 

Weitere Informationen und Quellen:

http://corporate.dukemedicine.org/news_and_publications/news_office/news/thin-colorectal-cancer-patients-have-shorter-survival-than-obese-patients

https://www.dukemedicine.org/find-doctors-physicians/s-yousuf-zafar-md-mhs

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About Author

Dipl.-Ing. Alexandra Springler

Seit 2011 ist Dipl.-Ing. Alexandra Springler MEDMIX- und AFCOM-Mitarbeiterin. Nach Abschluss ihres Biotechnoligiestudiums ist sie nun in der Forschung tätig und absolviert zur Zeit ihr Doktorat.

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