Cytomegalieviren gemeinsam stark

0

Erstinfektionen mit Cytomegalieviren verlaufen meist harmlos, wobei das Cytomegalievirus danach unbemerkt in latentem Zustand im Patienten schlummert.

Erstinfektionen mit Cytomegalieviren (CMV), einem wichtigen Mitglied der Herpesvirus-Gruppe verlaufen bei immunkompetenten Personen meist harmlos und das Virus verbleibt anschließend unbemerkt in latentem Zustand im Patienten. Bei immunsupprimierten Patienten wie Transplantationspatienten oder HIV-Infizierten und bei Infektion eines Fötus während der Schwangerschaft wird das Cytomegalievirus aber zu einer großen und potentiell tödlichen Gefahr. Nicht zuletzt der mögliche Einsatz einer antiviralen Therapie hat zur ständigen Verbesserung der spezifischen Diagnostik der Cytomegalievirus-Infektion geführt.

Vor allem der Virusnachweis mittels quantitativer PCR (Polymerase-Kettenreaktion) ist in vielen Situationen zur Methode der Wahl geworden. Studien aus den letzten Jahren zeigen, dass Menschen viel öfter als gedacht nicht nur mit einem sondern mit mehreren Cytomegalieviren-Stämmen infiziert sind. Vermutlich kann gelegentlich schon die Erstinfektion mit mehr als einem Cytomegalievirus-Stamm erfolgen.

Im Laufe des Lebens können dann, im Rahmen von exogenen Reinfektionen, die bei immunkompetenten Personen klinisch meist unauffällig verlaufen, noch weitere Cytomegalieviren-Stämme dazukommen. Bewiesen wurde das durch Untersuchungen in Geweben von verstorbenen immunkompetenten Personen, bei denen in verschiedenen Organen mehrere Cytomegalieviren-Stämme gleichzeitig gefunden wurden. Die Untersuchung von Cytomegalievirus-Stamm spezifischen Antikörpern zeigt, dass bis zu 20% der gesunden Population Infektionen mit mehr als einem Cytomegalievirus-Stamm durchmacht.

Die exogene Reinfektion mit weiteren Cytomegalieviren-Stämmen ist möglich, da durch die große Antigendiversität keine breite Kreuzimmunität induziert wird. Bei Transplantationspatienten ist die Situation noch viel komplexer. Denn zu den eigenen Cytomegalieviren-Stämmen, die ein Patient bis zur Transplantation akquiriert hat, können noch ein oder mehrere Cytomegalieviren-Stämme durch das Transplantat eines CMV-positiven Spenders dazukommen. Schwer zu beantworten ist die Frage, ob es für den Patienten von Bedeutung ist, wenn er mit einem oder mit mehreren Cytomegalieviren-Stämmen infiziert ist. Bei immunkompetenten Personen, spielt die Anzahl der infizierenden Virusstämme wohl kaum eine Rolle. Bei Transplantationspatienten hingegen verdichten sich die Hinweise, dass Mischinfektionen mit mehreren Cytomegalieviren-Stämmen sehr wohl negative Auswirkungen auf den Patienten haben können.

Wie es scheint dauert es bei Infektion mit mehreren Cytomegalieviren-Stämmen länger bis die Viruslast durch eine antivirale Therapie gesenkt wird. Das könnte auch ein kritischer Punkt für die Resistenzentwicklung des Virus gegen verabreichte antivirale Medikamente sein, die ja umso wahrscheinlicher wird, je länger die Virusvermehrung unter Therapie anhält. Außerdem zeigt sich zunehmend, dass Transplantatabstoßung und klinische Manifestationen einer Cytomegalievirus-Infektion häufiger vorkommen wenn sich mehrere Cytomegalieviren-Stämme im Organismus des Patienten vermehren. Eine Publikation hat sich nun kürzlich dem Thema von einer anderen Seite angenähert und ist der Frage nachgegangen, ob Mischinfektionen mit verschiedenen Cytomegalieviren-Stämmen einen Vorteil für die Viren haben.

Weiland wurde im Tiermodell gezeigt, dass bei gleichzeitiger Infektion verschiedener Cytomegalieviren-Stämme Wachstumseinschränkungen des einen Stammes durch die Koinfektion mit einem anderen Cytomegalievirus-Stamm aufgehoben werden können. Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass sich Cytomegalievirus-Stämme gegenseitig ergänzen können und sich gemeinsam vermutlich auch dem Leben im menschlichen Organismus noch besser anpassen können als bisher vermutet. Das Arbeiten im Team bringt also auch Cytomegalieviren durchaus Vorteile und macht die Viren gemeinsam stärker im Kampf gegen das Immunsystem des Wirtes.

logo-virusepidemiologische-informationenQuelle:

VIRUSEPIDEMIOLOGISCHE INFORMATION” NR. 19 / 05. Prof. Dr. Elisabeth Puchhammer-Stöckl. Department für Virologie der Med. Universität Wien.

Share.

About Author

MEDMIX Online-Redaktion

Blick in den Newsroom der MEDMIX Print- und Onlineredaktion in Zusammenarbeit mit AFCOM – Verlag und Medienproduktionen.

Comments are closed.