Chronisch venöse Insuffizienz mittels Dreisäulenkonzept therapieren

0

Chronisch venöse Insuffizienz (CVI) geht mit venösen Abflussbehinderungen, Mikrozirkulationsstörungen und Veränderungen von Unterschenkeln und Füßen einher.

Jeder zweite Patient im Wartezimmer ist ein »Venenpatient«. Der Arzt sollte die Erkrankung keinesfalls bagatellisieren: Denn ein verschlepptes Venenleiden kann über entzündliche Reaktionen zu massiven Beinödemen, Beingeschwüren und Thrombosen mit der konsekutiven Gefahr einer Lungenembolie führen. Um die Jahrtausendwende wurde noch dogmenartig die Behandlungskaskade variköser Venen beschrieben: Radikaloperation – Minichirurgie – Sklerosierungstherapie – transdermaler Laser. Einige Jahre später war die Welt der Phlebologie eine andere. Chronisch venöse Insuffizienz wird heute mit Endolaser und Schaumverödung behandelt, die Euphorie um den transdermalen Laser hat sich gelegt, die sogenannte Radikaloperation mit Stripping der Stammvene wird zunehmend durch schonende endoluminale Verfahren ersetzt.

 

Chronisch venöse Insuffizienz weit verbreitet

Chronisch venöse Insuffizienz je nach Studie 40 bis 60% der westlichen Gesamtbevölkerung. Oder mit anderen Worten ausgedrückt: Jeder zweite Patient im Wartezimmer ist ein »Venenpatient«. Frauen sind häufiger von dieser Erkrankung betroffen (hormonelle Faktoren), bzw. suchen sie aus kosmetischen Gründen frühzeitiger einen Arzt auf. Dieser sollte die Erkrankung nicht bagatellisieren.

Ein verschlepptes Venenleiden kann über entzündliche Reaktionen zu massiven Beinödemen, Beingeschwüren und Thrombosen mit der konsekutiven Gefahr einer Lungenembolie führen.

 

Chronisch venöse Insuffizienz in der Arztpraxis

Wenn vom praktischen Arzt eine Chronisch venöse Insuffizienz vermutet wird, genügt vorerst eine einfache Anamnese und eine Untersuchung der Beine. Bei Beinödemen sollten kardiale, gynäkologische und andere Ursachen, bei Schmer­zen orthopädische und neurologische Ursachen ausgeschlossen werden. Müde, schwere teilweise juckende Beine weisen auf eine chronisch venöse Insuffizienz hin.

Welcher Grad auf eine Chronisch venöse Insuffizienz zutrifft. Ein Blick und ein Griff auf den Innenknöchel verraten ohne technischen Aufwand den Grad der Chronisch venösen Insuffizienz (I-III):

  • Grad I: zarte Ödeme und zarte Besenreiser am Innenknöchel.
  • Grad II: Ausdehnung der Ödeme auf den gesamten Unterschenkel und ein vermehrter Hautglanz.
  • Grad III: Manifestes Ulcus Cruris Venosum.

Chronisch venöse Insuffizienz

Erste Therapieschritte können schon jetzt auch vom »Nicht-Phlebologen« eingeleitet werden. Diese basieren auf den ersten zwei Säulen eines Drei-Säulen-Modells:

  • Kompressionstherapie
  • Pharmakotherapie
  • Operativ / interventionelle Therapie.

 

Chronisch venöse Insuffizienz mit der Kompressionstherapie behandeln

Der Kompressionstherapie eilt zu Unrecht ein schlechter Ruf voraus. Stütz- oder Kompressionsstrümpfe werden heutzu­tage aus modernen, farbfrohen weichen Materialien hergestellt. Ein Unterschenkelstrumpf erzielt 80% des Effektes eines Oberschenkelstrumpfes und ­viele Patienten sind dankbar, wenn sie sich einmal von dem angenehmen Stützeffekt überzeugen konnten.

 

Pharmakotherapie bei CVI

Die Pharmakotherapie als zweite Säule bietet die ideale Ergänzung zur Linderung der Beschwerden. Kontrollierte, prospektive Doppelblindstudien für Hydroxy­äthylrutoside aus dem japanischen Schnurbaum, Diosmin aus Citrusschalen und Ross­kastaniensamen belegen die ödemhemmende, gefäß­abdichtende Wirkung der Flavonoide, wenn sie über mehrere Wochen in einer ausreichenden Dosierung eingenommen werden. Ein weiterer bewährter Wirkstoff ist Oxerutin, der nicht nur ödemprotektiv wirkt, sondern auch den Venentonus und die venöse Wiederauffüllzeit erhöht und außerdem die Mikrozirkulation verbessert.

Vor allem bei sicht- und tast­baren Varizen sollte weiter diagnostiziert werden. Weltweit Standard ist hier die Farbduplexsonographie. Bei dieser schmerzlosen und nicht invasiven Untersuchung wird mittels Farb­ultraschall das Venensystem untersucht gleichzeitig können markante Punkte wie Durchtrittsvenen markiert werden (Mapping).

In der Hand des geübten Praktikers kann aber auch schon ein Handdopplergerät Aufschluss über die Funktionstüchtigkeit der Venenklappen geben. Für gezieltere Fragestellungen existieren weitere Untersuchungen wie die Phlebografie, die Lichtreflexionsrheographie und die dynamische Dopplerdruckmessung.

 

Operativ-interventionelle Säule

Hier geht der Trend in Richtung minimal-invasiv. Die klassische Strippingoperation mit Leistenschnitt wird zunehmend von endoluminalen Verfahren (Schaumverödung, Radiowellentherapie, Endolaser) abgelöst. Zukunftsweisend scheint hier die Endolasertherapie zu sein.

Ultraschallgezielt erfolgt eine Punktion der Stammvene. Mittels Seldingertechnik wird über einen Angiografiekatheter eine Lasersonde in die Stammvene eingebracht. Die abgegebene Laserenergie führt über einen Hitzeeffekt zu einer Schrumpfung der Venenwand, in weiterer Folge kommt es zu einer Resorption der krankhaften Vene. Erste Langzeitergebnisse zeigen viel versprechende Resultate, insbesondere mit den in letzter Zeit vermehrt eingesetzten Nd:Yag Lasern mit einer Wellenlänge von 1320 nm.

Die Rekanalisationsrate liegt um die 3% ein sehr befriedigendes Resultat wenn man bedenkt, dass ein Lasereingriff ambulant und in lokaler Betäubung durchgeführt werden kann , lymphgefäßverletzende Leistenschnitte entfallen und die Bildung von Rezidivarizen aus der Leiste über den Prozess der Neoangiogenese wie wir sie bei konventionellen Crossektomien beobachten zu entfallen scheint.

Im Bereich der Chirurgie variköser Seitenästen hat sich die Miniphlebektomie etabliert: über kleine Schnittchen von zwei bis fünf Millimeter werden die Venenanteile mittels »Häkchenmethode« gewebeschonend entfernt, die punktförmigen Inzisionen verblassen innerhalb einiger Monate. Eine Renaissance erlebt derzeit die Verödungstherapie: ein Schaum wird duplexgezielt, bei zarten retikulären Venen mithilfe eines Auflichtes (Veinlite) in die Vene eingebracht. Der Schaum vervielfacht die Benetzungsfläche es kommt so quasi zu einem »Turboeffekt«. Zarte Besenreiser werden weiterhin mittels klassischer Sklerotherapie verödet, zarteste Venengeflechte mittels eines transdermalen Lasers.

Weitere Methoden wie zum Beispiel die endoskopische Perforansvenenligatur oder die transluminierte Miniphlebektomie ergänzen das therapeutische Spektrum. Welche Methode angewandt wird oder welche Methode mit welcher kombiniert wird und welche Anästhesieform angewendet wird (Allgemeinarkose, Spinalanästhesie, Tumeszenzanästhesie, Lokalanästhesie) sollte eine individuelle Entscheidung nach präziser Diagnostik sein. Schlussendlich muss aber immer wieder darauf hingewiesen werden, die chronisch venöse Insuffizienz ernst zu nehmen. Das individuelle Leid kann groß sein, der volkswirtschaftliche Schaden enorm. Rechzeitige Vorsorge, Minimierung der Risikofaktoren und der frühe Beginn einer moderaten Kompressionstherapie in Kombination mit einer regelmäßigen Pharmakotherapie können aber ihre Entwicklung und die Entstehung unschöner Krampfadern hintanhalten.

Quelle:

Chronisch venöse Insuffizienz mit einem Dreisäulenkonzept behandeln. Dr. Alexander Flor. MEDMIX 7-8/2005

http://www.venenpraxis.at/

Share.

About Author

Rainer Müller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

Comments are closed.