Capsaicin bei rheumatischen Erkrankungen topisch anwenden

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Topisch angewendet werden bei rheumatischen Erkrankungen ­Scharfstoffe und ätherische Öle, wobei vor allem dem Capsaicin eine Sonderstellung eingeräumt wird.

Für die topische Anwendung bei rheumatischen Erkrankungen kommen vor allem Capsaicin-Scharfstoffe aus Capsicum-Arten (Solanaceae), Salicylsäureester und ätherische Öle in Betracht. Die Capsaicinoide werden ebenso wie das Resiniferatoxin aus Euphorbia resinifera zu den Vanilloiden gezählt. Gab es ursprünglich nur einzelne Hinweise, die für das Vorhandensein eines spezifischen Capsaicin-Rezeptors sprachen, so konnte später das Capsaicin-Rezeptor-Gen entschlüsselt werden.

Dieses Protein mit dem Molekulargewicht 95.000 besteht aus 838 Aminosäuren und wurde als Vanilloid-Rezeptor Subtyp I, kurz VR1 bezeichnet. Seine Stimulation erfolgt entweder durch das Binden einer ­Vanilloid-Teilstruktur oder durch Erhöhung der Temperatur. Es besteht daher die Vermutung, dass VR1 eigentlich im Körper für die Wahrnehmung von Hitzereizen zuständig ist und sie als Schmerz weiterleitet.

 

Wirkungsablauf bei Capsaicin

Der Wirkungsablauf kann vereinfacht in drei Phasen gegliedert werden:

  • Initiale Erregung peripherer ­Nozizeptoren
  • Schmerzleitung durch Freisetzung von Neurotransmittern (Substanz P)
  • Wärmegefühl durch örtliche ­Vasodilatation und darauf folgende ­Phase der Unempfindlichkeit­ ­(Desensibilisierung)
  • Höhere Konzentrationen und längere Applikation führen zu unspezifischen, alle Neuronen betreffende neurotoxischen Wirkungen, die vermutlich auf einer unspezifischen physikochemischen Interaktion mit lipophilen Membranstrukturen beruht.

Heutzutage gibt es für capsaicinoidhaltige Zubereitungen positive Studienergebnisse, die eine Wirksamkeit bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, post­herpetischen Neuralgien und diabetischer Neuropathie nachweisen.

Dazu allerdings ist eine Anwendung in niedriger Konzentration über 3–4 Wochen hindurch erforderlich. Der Desensibilisierungseffekt kann offensichtlich ohne nennenswerte Beeinträchtigung der Haut genützt werden, wenn richtig dosiert wird.

 

Ätherische Öle zur topischen Behandlung bei rheumatischen Erkrankungen

Auch ätherische Ölen eignen sich zur topischen Schmerz­behandlung. Aufgrund der hohen Lipophilie der Komponenten erfolgt eine rasche Resorption über die Haut, sodass nach bereits kurzer Zeit Serumspiegelwerte meßbar sind, wie z.B. Arbeiten von Buchbauer im Zusammenhang mit Massageölen zeigen.

Der entzündungshemmende Effekt bestimmter Öle beruht in vitro Versuchen zu Folge auf der Prostaglandin inhibierenden Wirkung, wobei angenommen wird, dass die gemessene Cyclooxygenase-Wirkung durch eine rasche Hautpenetration auch bei topischer Anwendung zum Tragen kommt.

Es konnte gezeigt werden, dass das eugenolhaltige ­Nelkenöl eine signifikant höhere Hemmung der Cyclooxygenase bewirkt als Zimt-, Eukalyptus- und Latschen­kieferöl. In neueren placebokontrollierten Doppelblindstudien wurde ein Vergleich von in Alkohol gelöstem ­Pfefferminz- und Eukalyptusöl bei chronischen Kopfscherzen (externe Anwendung) angestellt. Dabei zeigte nur das Pfefferminzöl eine signifikante Schmerzlinderung, zwischen der Wirksamkeit von 1 g Paracetamol und 10%igem Pfefferminzöl in ethanolischer Lösung bestand kein signifikanter Unterschied.

Zusätzlich kann offensichtlich auch bei manchen Ölen die auftretende Hautreizung hormonelle und immunologische Reak­tions­mechanismen auslösen, die antiphlogistische und analgetische Wirkungen zu Folge haben. Diese werden als »Counter irritant-Effekte« bezeichnet und ebenfalls für die Wirkung verantwortlich gemacht.

Weiterführende Informationen:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9349813

http://www.nature.com/cdd/journal/v11/n12/full/4401506a.html

http://link.springer.com/article/10.1007%2FBF02026438#page-1

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Axel Rhindt

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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