Cannabis gegen Schmerzen bei Rheuma

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Der Einsatz von Cannabis gegen Schmerzen bei Rheuma wird intensiv diskutiert, wobei Experten mehr Studien fordern und zugleich vor Selbstmedikation warnen.

Viele Erwachsene mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen leiden unter anhaltenden Schmerzen. Obwohl über den therapeutischen Nutzen von Cannabisprodukten derzeit intensiv diskutiert wird, fehlen für die Behandlung chronischer Schmerzen bei Rheuma-Erkrankungen mit künstlich hergestellten Cannabisprodukten jedoch bislang aussagekräftige Studien. Dementsprechend wurde unlängst der Einsatz von Cannabis gegen Schmerzen in einer Metaanalyse untersucht.

 

Cannabis gegen Schmerzen und zur Entzündungshemmung

Cannabis sativa, so der lateinische Name der Hanfpflanze, ist eine der ältesten Nutzpflanzen der Welt. Lange schon gibt es Anzeichen für ihre medizinische Wirksamkeit, um Schmerzen zu lindern und Entzündungen zu hemmen. Dass Cannabisprodukte bei einigen Erkrankungen einen positiven Effekt haben, konnten in den vergangenen Jahren auch zahlreiche klinische Studien zeigen. So können beispielsweise bei Tumorpatienten Cannabinoide während der Chemotherapie den Appetit anregen und zugleich Übelkeit und Erbrechen eindämmen. Sie können auch helfen, schmerzhafte Muskelverspannungen bei Patienten mit Multipler Sklerose zu unterdrücken. Einige chronische Schmerzpatienten berichteten zudem über gute Erfahrungen mit Cannabis gegen Schmerzen, ergänzt der Experte aus Saarbrücken.

Um herauszubekommen, bei welchen rheumatischen Erkrankungen, die mit chronischen Schmerzen einhergehen, Cannabisprodukte wirken und ob sie verträglich und sicher sind, haben Wissenschaftler unlängst eine Literatursuche zu Cannabis gegen Schmerzen durchgeführt. Dabei wurde darauf geachtet, nur Studien auszuwerten, die aussagekräftig genug sind – also randomisierte doppelblinde Studien (wenn das Cannabisprodukt mit Placebo verglichen wurde und weder Arzt noch Patient wussten, was von beiden sie einsetzten. Bei der Sichtung der  (englisch, RCT: randomized controlled trial) stellten die Forscher schnell fest, dass die Datenlage bei der medikamentösen Therapie von Rheumaerkrankungen mit Cannabisprodukten spärlich ist.

Die Datenlage zu Cannabis gegen Schmerzen bei Rheumaerkrankungen ist sehr spärlich.

Zwei Studien über die Dauer von zwei beziehungsweise sechs Wochen mit 71 Patienten mit Fibromyalgie-Syndrom, eine vier-wöchige Studie mit 30 Rückenschmerzpatienten und eine fünf-wöchige Studie mit Tetrahydrocannbinol/Cannabidiol mit 58 Patienten mit rheumatoider Arthritis wurden eingeschlossen. Die Studien zeigten keine bessere Wirksamkeit der untersuchten synthetischen Cannabisprodukte gegenüber Kontrollsubstanzen – Placebo bzw. einem schmerzlindernden Antidepressivum. Die Patienten berichteten, die Cannabisprodukte trotz einiger unangenehmer Nebenwirkungen wie beispielweise Konzentrationsstörungen, Sedierungen oder Müdigkeit gut vertragen zu haben.

Zu Cannabis gegen Schmerzen bei Rheuma geben die Forscher aufgrund der schwachen Datenlage deshalb keine Empfehlung ab. Das schließt jedoch nicht aus, dass Ärzte Patienten, die als austherapiert gelten, mit Cannabinoide behandeln. Grundsätzlich soll Schmerzpatienten die Therapie mit Cannabinoiden nicht vorenthalten werden. Gefordert werden weitere Studien. Hingegen riskieren Patienten, die sich mit Medizinalhanf oder Cannabis aus Eigenanbau selbst behandeln, belastende Nebenwirkungen.

Quelle und Literatur:

Fitzcharles M.-A., Ste-Marie P. A., Häuser, W. et al.: Efficacy, tolerability and safety of Cannabinoid Treatments in the Rheumatic Diseases: A Systematic Review of Randomized Controlled Trials. Arthritis Care & Research, 2015

PD Dr. med. Winfrid Häuser, Redemanuskript, Pressekonferenz Deutscher Schmerzkongress 2015

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Lena Abensberg

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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