Blinatumomab gegen Leukämie (ALL)

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Der Wirkstoff Blinatumomab – Blincyto – erweitert seit kurzem gegen die aggressive akute lymphoblastische B-Zellen-Leukämie das Behandlungsspektrum.

Der Wirkstoff Blinatumomab mit dem Handelsnamen Blincyto hat unlängst die Zulassung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur erhalten. Blinatumomab stellt gegen eine sehr aggressive Form von Blutkrebs eine wichtige Erweiterung des Behandlungsarmamentariums dar.

 

Blincyto mit dem Wirkstoff Blinatumomab

Die Entwicklung des Wirkstoffs Blinatumomab basiert auf Arbeiten, die vor mehr als zehn Jahren am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) durchgeführt wurden. Das unter dem Handelsnamen Blincyto verfügbare Medikament dient der Behandlung von akuter lymphoblastischer B-Zellen-Leukämie – exakt als Philadelphia chromosome-negative precursor B-cell acute lymphoblastic leukemia oder pre B-cell ALL bezeichnet. Da es nur sehr wenige Patienten mit B-Zellen-ALL gibt, gilt die Krankheit als seltene Krankheit – auch als orphan disease bezeichnet.

 

Blincyto – Hoffnung bei B-Zellen-Leukämie

In Menschen mit B-Zellen-ALL produziert das Knochenmark zu viele B-Zellen-Lymphoblasten, eine Art unreifer weißer Blutkörperchen. Anstatt zu funktionstüchtigen Zellen heranzureifen, vermehren sie sich rasch und verdrängen die normale Blutbildung. Der Wirkstoff Blinatumomab macht nun gewissermaßen die körpereigenen T-Zellen scharf, die die Krebszellen dann gezielt vernichten. Der bispezifische Antikörper ist gleichzeitig gegen den CD3-Rezeptor der T-Zellen und gegen das Oberflächenprotein CD19 der B-Zellen gerichtet.

Die betroffenen Patienten haben meist eine sehr schlechte Prognose von nur wenigen Monaten Überlebenszeit. Für sie bedeutet der Wirkstoff neue Hoffnung und wird in Situationen eingesetzt, in denen eine konventionelle Therapie nicht mehr zur Heilung führt. Blincyto gilt bei vielen Experten als Durchbruch für diese spezielle Form der Leukämie.

Detailliert hat die Europäische Kommission Blincyto für die Behandlung von Erwachsenen mit Philadelphia-Chromosom-negativer (Ph-) rezidivierender oder refraktärer B-Vorläufer akuter lymphatischer Leukämie (ALL) eingeschrängt zugelassen. Die bedingte Zulassung beruht auf den Ergebnissen aus zwei Phase 2 Studien – ‚211 und ‚206. In der für die Zulassung entscheidenden ‚211-Studie erreichten 42,9% der Patienten eine komplette Remission (CR) oder CR mit partieller hämatologischer Genesung, wobei hier als schwerwiegendste Nebenwirkungen Infektionen, Neutropenie / febrile Neutropenie, Zytokinfreisetzungssyndrom, Tumorlyse-Syndrom und neurologische Ereignisse auftraten.

Weiterführende Informationen:

http://www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Summary_for_the_public/human/003731/WC500198229.pdf

http://www.kompetenznetz-leukaemie.de/content/news/all/blinatumomab

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MEDMIX Online-Redaktion

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