Bilsenkraut als Narkotikum und gegen Schmerzen

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Bilsenkraut – eine der wichtigsten Heilpflanzen der Antike und des Mittelalters – wurde bei Schmerzen aller Art, Geschwüren, Lungenleiden, als Narkotikum und als Aphrodisiakum angewendet.

Bilsenkraut – Hyoscyamus sp., Solanaceae – gehört zur Familie der Nachtschattengewächse. Bekannte Arten sind das Weiße Bilsenkraut (Hyoscyamus albus L.), das Ägyptische Bilsenkraut (Hyoscyamus muticus L.) und das Schwarze Bilsenkraut (Hyoscyamus niger L.). Die Heil- und Giftpflanze wird heute nur noch selten eingesetzt, aufgrund der hohen Giftigkeit sollte sie als Halluzinogen und Rauschmittel nicht eingesetzt werden.

Viele Pflanzen der Nachtschattengewächse – ca. 100 Gattungen mit geschätzten 6000-10000 Spezies – sind von wissenschaftlichem Interesse, weil sie nicht nur pharmakologisch interessante Inhaltsstoffe produzieren, sondern auch als Nahrungsmittel zur Verfügung stehen. So zählen beispielseise Tomaten, Kartoffeln, Auberginen, Physalis, Chili, Paprika aber auch Tabak, Tollkirsche, Bilsenkraut, Alraune und Stechäpfel zu den Nachtschattengewächse.

Viele dieser Pflanzen sind von pharmakologischem Interesse und Basis altbewährter Medikamente wie z.B. Atropin oder Scopolamin, die zur Behandlung von Reisekrankheit sowie in der Intensivmedizin eingesetzt werden können.

 

Bilsenkraut war ein der wichtigsten Heilpflanzen der Antike und des Mittelalters

Auch das Bilsenkraut gehörte zu den wichtigsten Heilpflanzen der Antike und des Mittelalters. Eingesetzt wurde es bei Schmerzen aller Art, Geschwüren, Lungenleiden, als Narkotikum bei Operationen und als Aphrodisiakum. Die im Mittelalter sehr bekannte Pappelsalbe (Unguentum Populi), ein beliebtes Schmerzmittel, wurde in allen wichtigen Pharmakopöen aufgeführt und enthielt Pappelknospen, Mohnblätter, Hauswurzblätter, Lattichblätter, Knabenkrautblätter, Alraune, Bilsenkraut, Tollkirsche und Hanf.

Neben der medizinischen Anwendung war das Bilsenkraut auch eine der großen heiligen Ritualpflanzen im alten indogermanischen Raum. Die Germanen und Wikinger pflanzten ganze Bilsengärten, die für sie heilig waren. Die Hexen im Mittelalter benutzten das Kraut als Bestandteil in ihren »Flugsalben« oder im »Hexenwein«.

 

Bilsenkraut – Wirkungen und Inhaltsstoffe

Auch im Bilsenkraut sind die enthaltenen Tropanalkaloide für die Wirkung verantwortlich. Davon als Hauptalkaloide S-(–)-Hyoscyamin bzw. Atropin, daneben S-(–)- Scopolamin, α- und β-Belladonnin, Tropin, Apoatropin, Atroscin oder Cuskhygrin und weitere.

Die Wirkung beginnt mit körperlichem Unbehagen, dickem, schwerem Kopf, Pupillen­erweiterung. Die anfänglichen Bewusstseinsveränderungen gehen in Visionen und teils furchterregende Halluzinationen über. Allein das Einatmen des Rauches von gerösteten Samen führt zu einer Steigerung der Geruchs- und Tastempfindungen.

Zu den unerwünschten Wirkungen zählen Mundtrockenheit, Akkomodationsstörungen, Herzrhythmusstörungen oder Miktionsbeschwerden. Zu einer Verstärkung der Wirkung kann es durch tricyclische Antidepressiva, Amantadin, Antihistaminika, Phenothiazine, Procainamid und Chinidin kommen.

Quelle und weitere Informationen:

Wirkungen und Inhaltsstoffe von Bilsenkraut. MEDMIX 3/2007

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4224707/

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Axel Rhindt

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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