Bettwanzen auf allen Kontinenten am Vormarsch

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Forscher konnten das Genom von Bettwanzen entschlüsseln, wobei die Gene zur inneren Uhr sowie zur Ausscheidung und Häutung interessant waren.

Schon der Gedanke an sie verursacht bei empfindlichen Menschen Gänsehaut und den Drang, sich zu kratzen: Bettwanzen. Die wenige Millimeter großen Insekten sind seit einigen Jahren weltweit auf dem Vormarsch. Nachdem sie kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in vielen Ländern dieser Erde – vermutlich aufgrund eines großzügigen Einsatzes von Pestiziden – nahezu ausgerottet waren, erleben sie derzeit eine Art „Wiederauferstehung“.

 

Bettwanzen gegen Insektizide resistent

Ein Boom bei Fernreisen, die Globalisierung im Handel und der Trend zum Secondhand tragen nach Ansicht der Wissenschaft dazu bei, dass Bettwanzen inzwischen wieder auf allen Kontinenten der Erde heimisch sind. Noch mehr dürfte dafür aber die Tatsache verantwortlich sein, dass Bettwanzen mittlerweile gegen die meisten Klassen von Insektiziden resistent sind.

 

Bettwanzen und ihre Tricks

Bettwanzen sind nach einer Blutmahlzeit so vollgepumpt, dass sie sich nur noch schlecht bewegen können. Das macht sie anfällig für potenzielle Räuber. Allerdings beherrschen die Bettwanzen einen Trick, mit dem sie diese Gefahr reduzieren können: Sie scheiden in kurzer Zeit eine große Menge an Flüssigkeit aus und werden dadurch wieder beweglicher. Peptidhormone steuern diesen Prozess, indem sie an sogenannte G-Protein-gekoppelte Rezeptoren binden. Diese Rezeptorklasse ist auch beim Menschen zu finden und bietet dort einen Ansatzpunkt für zahlreiche Wirkstoffe.

 

Das Blutsaugen stellt die innere Uhr

Wie funktioniert die innere Uhr der Bettwanze? Bei den meisten Lebewesen stellt das Tageslicht diese Uhr. Bettwanzen hingegen sind nachtaktiv; bei ihnen ist auch das Blutsaugen ein wichtiger Taktgeber. Auf die Fragen welche Gene dafür verantwortlich sind, wie diese sich von denen anderer Insekten unterscheiden und welche Veränderungen sie im Laufe der Evolution durchgemacht haben, haben unlängst Wissenschaftler im Genom der Bettwanze nach Antworten gesucht.

 

14.222 Gene von Bettwanzen identifiziert

Die Arbeit der Forscher gleicht einer Art Puzzle in Form eines Videospiels in einem speziellen Genombrowser. Alle beteiligten Arbeitsgruppen tragen dort ihre Ergebnisse zusammen, Bioinformatiker überprüfen diese anschließend. 14.222 Gene von Bettwanzen identifizierten Wissenschaftler auf diese Weise – automatisch vorausgesagt hatten sie 13.953. Zum Vergleich: Im menschlichen Erbgut finden sich etwas mehr als 20.000 Gene. In ihnen versteckt liegen die Erklärungen für manch erstaunliches Verhalten der Bettwanzen. So ernähren sich die Tiere ausschließlich von Blut und müssen deshalb in der Lage sein, daraus sämtliche Nährstoffe zu ziehen, die zum Überleben benötigt werden. Nach einer Blutmahlzeit können Bettwanzen ein ganzes Jahr lang ohne weitere Nahrungsaufnahme überleben. Der Versuch, eine befallene Matratze quasi „auszuhungern“, indem man ein paar Wochen auf die Wohnzimmercouch umzieht, ist also zum Scheitern verurteilt.

 

Kuriose Fortpflanzungstechnik der Bettwanzen

Kurios ist auch die Fortpflanzungstechnik der Bettwanzen: von „traumatischer Insemination“ spricht die Wissenschaft in diesem Fall. Das bedeutet: Das Männchen durchsticht die Bauchhaut des Weibchens und legt seine Spermien in der Körperhöhle des Weibchens ab. Wie sich solch brutales Verhalten im Laufe der Evolution entwickeln konnte und wie dabei Infektionen vermieden werden, lautet eine Frage, die die Wissenschaft interessiert. Das Wissen über die dabei aktiven Gene könnte auch für die Therapie einer Reihe von Krankheiten des Menschen von Nutzen sein, glauben die Wissenschaftler.

Das Genom von 5000 Insekten im Visier

Das Erbgut von 5.000 Insekten entschlüsseln: Dieses Ziel hat sich das Projekt „i5K“ zum Ziel gesetzt. Das Bettwanzen-Genom ist eines davon. Die internationale Zusammenarbeit liefert nach Wegeners Worten eine Art Referenz für alle weiteren Vorhaben. „Die Tatsache, dass das sequenzierte Erbgut im Anschluss von einer Vielzahl von Wissenschaftlern manuell durchsucht wurde, garantiert eine hohe Qualität der Ergebnisse“, sagt der Genetiker. Dennoch sei auch in diesem Fall davon auszugehen, dass bei weitem nicht jedes Gen tatsächlich identifiziert wurde.

Unique features associated with bed bug biology revealed through sequencing and manual curation of the Cimex lectularius genome. Joshua B. Benoit, et al. Nature Communications, DOI: 10.1038/ncomms10165

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