Behandlungsmethoden bei Blasenschwäche

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Blasenschwäche – Harninkontinenz – ist eines der häufigsten Probleme älterer Menschen und trägt wesentlich zur Verschlechterung derer Lebensqualität bei.

Frauen tragen hier ein etwa siebenmal höheres Risiko als Männer, an einer Blasenschwäche zu leiden. Etwa ein Viertel aller Frauen leidet ab den Wechseljahren an Blasenschwäche und/oder Harnverlust. Bei harmloser Ausprägung stehen zahlreiche Wirkstoffe aus der Naturmedizin zur Verfügung. Dazu zählen die Cranberry, Bärentraube, Kürbis und verschiedene andere pflanzliche Optionen.

Für den Behandler sind beim Harnverlust zwei große Gruppen an Ursachen zu unterscheiden. Die Dranginkontinenz (auch Urgeinkontinenz genannt): Trotz intaktem Schließmuskel der Harnröhre kommt es zu starkem Harndrang, obwohl die Blase noch nicht übermäßig gefüllt ist. Während eines Tages, aber auch in der Nacht, muss die Patientin bis zu 20 mal die Toilette aufsuchen, um einen Harnverlust zu vermeiden.

Die Belastungsinkontinenz (früher auch Stressinkontinenz genannt): Dabei verliert die Patientin, ohne Harndrang zu verspüren, bei alltäglichen Belastungen wie Husten, Niesen, Stiegensteigen oder anderen körperlichen Belastungen Harn.

 

Harn­inkontinenz oder Blasenschwäche häufig tabuisiert

In unseren breiten leiden Millionen Frauen zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens an Harn­inkontinenz oder Blasenschwäche. Leider wird dieses Problem häufig tabuisiert. Den Frauen ist es peinlich über ihr Problem zu sprechen, der Harnverlust wird somit immer stärker, die Frauen sind in ihrem Berufs- und Privatleben eingeschränkt und verzichten oft auf angenehme Tätigkeiten wie Sport, Reisen oder sogar soziale Beziehungen.

 

Behanldungsstrategien bei Dranginkontinenz

Die Urge/Dranginkontinenz wird fast nur konservativ behandelt. Dabei stehen ein Miktionstraining zur Verlängerung von zu kurzen Miktionsintervallen, Beckenbodentraining zur Umlernung eines falschen Miktionsmusters, eventuell eine Psychotherapie bei Verdacht auf psychosomatische Ursachen, die elektrische Neuromodulation und vor allem eine medikamentöse Therapie zur Hemmung der kontraktilen Blasenmuskulatur im Vordergrund. Bei diesen nicht invasiven Behandlungen ist bei der Hälfte aller Patientinnen eine Langzeittherapie mit einer individuellen Behandlungsfrequenz notwendig. Nach zweimonatiger Anwendung werden Erfolgsraten von 70% angegeben, wobei zwei Drittel der Frauen auch noch 6 Monate nach Behandlungsbeendigung einen Erfolg angeben.

Medikamentös lässt sich die Dranghyperaktivität mit Anticholinergika, Antidepressiva, Spasmolytika, Alphablocker und Antispastika gut behandeln. Besonders wichtig erscheint vor allem bei älteren Frauen die lokale Therapie mit dreiwertigen Östrogenpräparaten.

Bei ausgeprägter Symptomatik und absoluter Erfolglosigkeit der oben angeführten Therapiemöglichkeiten kann eine Neuro­mudulation (Elektrostimulation) zur Hemmung der Detrusorhyperaktivität versucht werden.

 

Behandlungsstrategien bei Belastungsinkontinenz

Wichtig ist eine Kenntnis der Ursachen einer Belastungsinkontinenz. Bei ausgeprägten anatomischen Veränderungen (starke Senkung oder Vorfall von Scheide und/oder Harnblase) ist meist eine operative Therapie notwendig. Eine urodynamische Abklärung ist dann sinnvoll. Bei zu hohem Operationsrisiko oder Operationsunwilligkeit der Patientin können diverse Scheidenringe oder -würfel versucht werden.

Ist die Organsenkung nur gering, so können zunächst kon­servative Maßnahmen gesetzt werden. Ältere Frauen ohne Hormonersatztherapie bekommen lokal dreiwertige Östrogene, eine Änderung der Lebensgewohnheiten und wenn notwendig eine Gewichtsreduktion werden empfohlen.

 

Beckenboden stärken

Wichtig ist die Einleitung eines konsequenten Beckenboden-Trainings. Dabei müssen die richtigen Übungen unter Anleitung erlernt werden. Zusätzlich können Biofeedback-Maßnahmen hilfreich sein. Hier werden die Beckenboden-Kontraktionen mit computergesteuerten Messeinheiten aufgezeigt und der Patientin wird ihr Trainingserfolg dokumentiert.

Auch Elektrostimulationen, bei denen die quergestreifte Muskulatur passiv durch elektrische Impulse gestärkt wird, können hilfreich sein. Weiters sind verschiedene Wirkstoffe zur medikamentösen Behandlung zugelassen bzw. finden sich in Erprobung.

Sind die konservativen Maßnahmen ohne Erfolg so stehen zahlreiche etablierte aber auch neue operative Behandlungsmöglichkeiten zur Auswahl. Hat man früher fast alle Operationen mittels Bauchschnitt durchgeführt, so werden diese heute wesentlich patientenfreundlich gemacht. Dazu sind endoskopische und/ oder vaginale Eingriffe möglich. Wichtig dabei ist wie schon oben erwähnt die präoperative urodynamische Abklärung, da die Wahl der Methode abhängig ist von der Ursache des Harnverlustes.

 

Fazit

Da jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens von Harnverlust – Blasenschwäche bzw. Harninkontinenz – betroffen ist, müssen ÄrztInnen und Pflegepersonen dieses Problem aktiv ansprechen. Den Patientinnen muss klar gemacht werden, dass sie bei konsequenter konservativer Behandlung selbst zu einer Heilung beitragen können. Auch jüngere Frauen die (noch) nicht betroffen sind, müssen in allen Lebenslagen, vor allem aber nach Geburten angehalten werden, Beckenboden-Gymnastik in den Alltag routinemäßig einzubauen. Sind Medikamente notwendig, so muss das richtige Präparat gefunden werden und die physikalischen Maßnahmen sollen unbedingt fortgesetzt werden. Ist eine operative Sanierung notwendig, so ist mit den neuen einfachen Techniken das Risiko minimiert und die Erfolgsraten sehr hoch.

Literatur:

Behandlungsmethoden bei Inkontinenz. Prim. Univ. Prof. Dr. Werner Grünberger. MEDMIX 10 / 2005

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Lena Abensberg

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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