Behandlung von Hirngefäß-Aneurysmen

0

Neue Methoden und Entwicklungen: Zwei aktuelle wissenschaftliche Studien zum Thema der Hirngefäß-Aneurysmen sind für die Praxis von besonderer Bedeutung.

Behandlung von Hirngefäß-Aneurysmen. Das Gebiet der vaskulären Neurochirurgie (Hirngefäß-Chirurgie) ist ein großer und ständig wachsender Bereich der Neurochirurgie und daher auch Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Forschung.  Zwei wissenschaftliche Studien zum Thema der Hirngefäß-Aneurysmen sind von besonderer Bedeutung.

Die erste Studie, im Jahre 2013 und 2017 publiziert, ist die sogenannte BRAT-Studie (Barrow  Ruptured Aneurysm Trial), in der eine vergleichenden Analyse die Ergebnisse der endovaskulären/neuroradiologischen sowie der mikrochirurgischen Therapie von Hirngefäßaneurysmen an einem großen amerikanischen Hirngefäßzentrum untersucht. Anlass für die Studie waren die Ergebnisse der im Jahr 2002 und 2015 publizierten ISAT-Studie (International Study on Aneurysm Treatment), in der erstmals der endovaskuläre und der mikrochirurgische Verschluss von rupturierten (geplatzten) Hirngefäßaneurysmen vergleichend untersucht wurde.

Die initialen Ergebnisse der ISAT-Studie hatten ein deutlich besseres Resultat bei endovaskulär behandelten Patienten als bei solchen, bei denen ein operativer Verschluss des Aneurysmas erfolgt war, ergeben.

Verlaufsanalysen der ISAT-Studie sind regelmäßig durchgeführt und publiziert worden.

Bei der letzten Publikation dieser Analysen im Jahr 2015 zeigte sich, dass sich die Ergebnisse beider Behandlungsverfahren im Langzeitverlauf zunehmend angleichen und 7 Jahre nach ursprünglicher Publikation der Studie ein signifikanter Unterschied im Ergebnis bei beiden Behandlungsarten nicht mehr besteht.

Dieses hatte nun die Arbeitsgruppe um den renommierten Hirngefäß-Spezialisten Robert Spetzler am Barrow Neurological Institut in Phoenix veranlasst, die bereits erwähnte eigene Studie auf den Weg zu bringen, bei der nach strengen Kriterien Patienten entweder in einen endovaskulären Arm oder in einen operativen Arm per Zufall verteilt wurden, um eine objektive Analyse beider Verfahren zu ermöglichen.

Ein nicht unerheblicher Teil der Patienten musste von dem endovaskulären Arm in den operativen Arm übernommen werden, weil sich letztlich das Aneurysma über den Gefäßweg nicht verschließen ließ.

Vergleichbar zu den Ergebnissen der ISAT-Studie zeigte sich auch hier ein Jahr nach Abschluss der Untersuchungen ein identisches Resultat mit einem deutlich besseren Ergebnis im endovaskulären Arm als im Arm der operativ behandelten Patienten.

Drei Jahre nach der Publikation der initialen Ergebnisse der BRAT-Studie zeigte sich auch hier der gleiche Trend wie bei der ISAT-Studie im Langzeitverlauf im Sinne eines zunehmenden Angleichens der Ergebnisse in beiden Behandlungsarmen, so dass sich ein statistisch signifikanter Unterschied

zwischen den beiden Behandlungsarten, insbesondere bei Hirngefäßaneurysmen im vorderen Hirnkreislauf nicht mehr nachweisen ließ. Im Gegenteil konnte klar aufgezeigt werden, dass operativ behandelte Aneurysmen eine signifikant geringere Rate an Wiederauffüllung des Aneurysmas mit notwendiger Nachbehandlung aufzeigten als die endovaskulär behandelten Aneurysmen.

Fasst man die Langzeitergebnisse beider Studien zusammen, so wird deutlich, dass die endovaskuläre und die operative Behandlung intrakranieller Aneurysmen gleichwertig nebeneinanderstehen und im langfristigen Ergebnis zu identischen Resultaten führen.

Dies bedeutet, dass Patienten mit einem geplatzten Aneurysma in Hirngefäßzentren behandelt werden sollten, bei denen beide Behandlungsarten 24 Stunden am Tag und 356 Tage im Jahr vorgehalten werden, und wo die letztendliche Entscheidung über die Art der Behandlung von hocherfahrenen und kompetenten Neurochirurgen und Neuroradiologen gemeinsam in Abhängigkeit von Art und Lage des Aneurysmas und den speziellen klinischen Gesichtspunkten des individuellen Patienten getroffen wird.

Quelle:

Professor Dr. med. Volker Seifert

Professor Dr. med. Volker Seifert

Statement » Aktuelle Therapie von Gefäßfehlbildungen – neue Methoden und Entwicklungen « von Professor Dr. med. Volker Seifert, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Frankfurt anlässlich der 68. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC)

Share.

About Author

MEDMIX Online-Redaktion

Blick in den Newsroom der MEDMIX Print- und Onlineredaktion in Zusammenarbeit mit AFCOM – Verlag und Medienproduktionen.

Comments are closed.