Cannabidiol bei Dravet-Syndrom

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Pharmazeutische Cannabidiol-Formulierung reduziert signifikant die Häufigkeit von Krampfanfällen bei Kindern mit Dravet-Syndrom, die schlecht auf multiple Antiepileptika ansprechen.

Eine aktuelle, ordnungsgemäß durchgeführte, kontrollierte klinische Studie zu Cannabidiol beim Dravet-Syndrom – einem seltenen, schweren Form der Epilepsie, für die derzeit keine Zulassung besteht – zeigte bahnbrechende Ergebnisse. GW Pharmaceuticals – ein biopharmazeutisches Unternehmen, das sich auf die Entdeckung, Entwicklung und Vermarktung von neuartigen Therapeutika auf Basis seiner proprietären Plattform von Cannabinoid-Produkten konzentriert, machte nun gemeinsam mit seiner US-Tochtergesellschaft Greenwich Biosciences die Veröffentlichung der Ergebnisse einer Phase-III-Studie zu Cannabidiol mit dem Markennamen Epidiolex ® an Kindern, die unter dem Dravet-Syndrom [1] leiden, im The New England Journal of Medicine bekannt.

 

Epidiolex – eine flüssige Formulierung von gereinigtem, pflanzlichen Cannabidiol

Epidiolex ist potenziell der erste Vertreter einer neuen Kategorie von Antiepileptika. Es handelt sich um eine flüssige Formulierung von gereinigtem, pflanzlichen Cannabidiol (CBD), einem nicht-psychoaktiven Cannabinoid, das für die Behandlung einer Reihe von seltenen, schweren Epilepsie-Erkrankungen untersucht wird, die im Kindesalter auftreten. Die Studie zeigte, dass die Zusatzbehandlung mit Epidiolex die Häufigkeit der Krampfanfälle pro Monat verglichen mit Placebo bei sehr therapieresistenten Kindern signifikant verringert hat. Die Epidiolex-Behandlung wurde in der Regel gut vertragen, die Unbedenklichkeit steht im Einklang mit den vorausgegangenen Erfahrungen aus der Open-Label-Phase.

Derzeit sind keine Therapien für das Dravet-Syndrom zugelassen. Die Erkrankung ist eine seltene Form der Epilepsie, die mit einer hohen Sterblichkeitsrate und signifikanten Verzögerungen in der Entwicklung einhergeht. Die Ergebnisse dieser Studie repräsentieren die einzige klinische Evaluierung einer medikamentösen Behandlung mit Cannabinoiden für dieses verheerende und therapieresistente Leiden.

 

Dravet-Syndrom – schwere Form der Epilepsie

„Das Dravet-Syndrom ist eine der am schwierigsten zu behandelnden Formen der Epilepsie, und viele der Kinder in dieser Studie hatten Dutzende, ja sogar Hunderte von Anfällen pro Monat, obwohl sie gleichzeitig mit mehreren Antiepileptika behandelt wurden“, sagt Orrin Devinsky, M.D., vom Comprehensive Epilepsy Center des Langone Medical Center der Universität New York, Hauptverfasser der Studie. „Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Epidiolex einen klinisch relevanten Nutzen bieten kann, die Aussicht auf eine entsprechend standardisierte und getestete pharmazeutische Formulierung von Cannabidiol, die dann als Behandlungsoption für diese Patienten zur Verfügung steht, ist sehr ermutigend“.

Diese positiven Ergebnisse sind ein wichtiger Meilenstein für betroffene Menschen mit Dravet-Syndrom – dass eine neue Behandlungsoption für diese seltene, verheerende Form der Epilepsie in Sicht ist. Das Dravet-Syndrom für Patienten und Familien gleichermaßen ist.

 

Studie zu Epidiolex bei Dravet-Syndrom

Im Rahmen der randomisierten Studie erhielten 120 Kinder im Alter zwischen zwei und 18 Jahren (Mittelwert: 9,8) mit Dravet-Syndrom, die nicht auf ihre bestehende Antiepileptika-Behandlung ansprachen, entweder Epidiolex (20mg/kg/Tag) oder ein Placebo als Zusatzbehandlung zur Standardtherapie. Die Patienten der an 23 Untersuchungszentren in den Vereinigten Staaten und Europa durchgeführten Studie hatten im Durchschnitt vier Antiepileptika (Bereich 0-26) im Vorfeld vergeblich versucht und nahmen während der Studie durchschnittlich drei Antiepileptika (Bereich 1-5) ein. Die Patienten verzeichneten zu Beginn der Studie eine mittlere Häufigkeit von monatlich 13 Krampfanfällen, mit einem breiten Spektrum, das von 3,7 bis zu 1.717 Anfällen pro Monat reichte.

Die Patienten, die während der 14-wöchigen Behandlungsdauer Epidiolex erhielten, wiesen eine signifikant höhere mediane Reduktion bei Krampfanfällen (39 Prozent) im Vergleich zum Placebo (13 Prozent) auf. Die geschätzte mediane Differenz in der Behandlung zwischen den Gruppen betrug 23 Prozent (p = 0,01). Der Anteil der Patienten, deren Anfallshäufigkeit sich um 50% oder noch mehr verringerte, lag unter Epidiolex bei 43 Prozent gegenüber 27 Prozent unter Placebo (p = 0,08). Die Studie hat ebenfalls Verbesserungen auf der Caregiver Global Impression of Change (CGIC)-Skala messen können. 62 Prozent der mit Epidiolex behandelten Patienten weisen eine gemäß CGIC bewertete verbesserte Gesamtkondition auf, verglichen mit 34 Prozent der Placebo-Gruppe (p = 0,02). Unter Epidiolex waren darüber hinaus mehr Patienten frei von Krampfanfällen als unter Placebo (5 Prozent gegenüber 0 Prozent: p = 0,08), auch die Anzahl der Krampfanfälle pro Monat war unter Epidiolex (p = 0,03) signifikant geringer.

Epidiolex wurde in der Studie generell gut toleriert. Die häufigsten Nebenwirkungen (AEs) (>10 Prozent) waren Somnolenz, Durchfall, verminderter Appetit, Müdigkeit, Erbrechen, Pyrexie, Lethargie, Krampf, Infektion der oberen Atemwege. Von den 93 Prozent der Patienten, die von Nebenwirkungen bei Epidiolex berichteten, erklärten 84 Prozent, dass die Nebenwirkungen leicht oder moderat seien. Zehn Patienten auf Epidiolex hatten ein schwerwiegendes unerwünschtes Ereignis im Vergleich zu drei Patienten unter Placebo. Acht Patienten brachen die Behandlung aufgrund der Nebenwirkungen beim Wirkstoff ab, im Vergleich zu einem Patienten unter Placebo. Eine Erhöhung des Leberenzym-Spiegels wurde bei 12 Patienten unter Epidiolex und einem Patienten unter Placebo beobachtet, alle hatten begleitend auch Valproinsäure als Behandlung erhalten. Von diesen Patienten beendeten vier ihre Teilnahme an der der Studie, davon drei unter Epidiolex und einer unter Placebo. Bei den verbleibenden neun Patienten, die Epidiolex erhielten, normalisierten sich die erhöhten Werte im weiteren Verlauf der Behandlung wieder.

„Die Veröffentlichung der Ergebnisse dieser richtungsweisenden Studie im The New England Journal of Medicine und der begleitende redaktionelle Kommentar[2] unterstreichen das Potenzial von Epidiolex für den erheblichen und ungedeckten Bedarf beim Dravet-Syndrom“, erklärt Justin Gover, GWs Chief Executive Officer. „Wir bleiben diesen Patienten und ihren Familien verpflichtet und sind entschlossen, dieses wichtige neue Medikament so schnell wie möglich zugänglich zu machen“.

Das Dravet-Syndrom

Das Dravet-Syndrom ist ein schweres und sehr therapieresistentes Epilepsie-Syndrom des frühen Kindesalters, das häufig mit einer genetischen Mutation des Natriumkanals assoziiert ist. Das Dravet-Syndrom tritt erstmalig während des ersten Lebensjahres in zuvor gesunden und entwicklungsmäßig normalen Säuglingen auf. Anfänglich stehen die Krämpfe mit der Körpertemperatur in Verbindung und sind schwerwiegend und langanhaltend. Im Verlauf der nächsten Jahre nach dem ersten Anfall treten unterschiedliche Anfallsarten auf, darunter tonisch-klonische Anfälle, myoklonische Anfälle und atypische Absencen. Es besteht häufig eine Neigung zu prolongierten Krampfanfällen, dem sogenannten Status epilepticus, ein potenziell lebensbedrohlicher Zustand. Für Menschen, die unter dem Dravet-Syndrom leiden, besteht ein erhöhtes Risiko, plötzlich und unerwartet zu sterben, einschließlich SUDEP, ein plötzlich auftretender, ungeklärter Tod bei Epilepsie. Darüber hinaus kommt es bei der Mehrheit der Betroffenen zu moderaten bis schweren intellektuellen Behinderungen und Entwicklungsstörungen, die lebenslange Betreuung und Pflege erforderlich machen. Es gibt derzeit keine von der FDA zugelassenen Therapien, und nahezu alle der Patienten leiden während ihres ganzen Lebens an unkontrollierten Krampfanfällen und benötigen weitere medizinische Hilfe.

Details zu Epidiolex

Epidiolex ist eine flüssige Formulierung aus pflanzlichen Cannabidiol (CBD), der sich in der Entwicklung für die Behandlung einer Reihe von seltenen Epilepsie-Erkrankungen befindet, die sich erstmalig im frühen Kindesalter zeigen. GW hat seit 2007 umfangreiche präklinische Forschung zum Einsatz von CBD bei Epilepsie betrieben. Die Forschungsarbeiten haben unter Verwendung einer Vielzahl von In-vitro- und In-vivo-Modellen ergeben, dass CBD eine signifikante anti-epileptiforme und krampflösende Aktivität sowie Wirksamkeit bei der Verringerung von Anfällen in akuten Tiermodellen zur Epilepsie aufweist. GW verfügt bereits über den von der US-Food and Drug Administration (FDA) erteilten Orphan Drug-Status für Epidiolex für die Behandlung des Dravet-Syndroms, des Lennox-Gastaut-Syndroms (LGS), der tuberösen Sklerose (TSC) und infantiler Spasmen (IS), alles schwere, im frühen Kindesalter erstmalig auftretende und pharmakoresistante Epilepsie-Syndrome. Zusätzlich dazu hat GW von der FDA den Fast Track-Status zur Behandlung des Dravet-Syndroms erhalten und von der EMA, der Europäischen Arzneimittel-Agentur, den Status als Arzneimittel für seltene Leiden, der für Epidiolex zur Behandlung des Dravet-Syndroms und LGS erteilt wurde. GW prüft derzeit weitere klinische Entwicklungsprogramme für andere seltene Anfallsleiden.

Quelle: http://www.gwpharm.com.

 

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Axel Rhindt

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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