Autismus-Spektrum-Störungen beeinträchtigen Sozialverhalten

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Autismus-Spektrum-Störungen führen zu Beeinträchtigungen im Sozialverhalten sowie zu begrenzten, repetitiven und stereotypen Verhaltensweisen.

Autismus-Spektrum-Störungen umfassen eine Gruppe von neuronalen Entwicklungsstörungen mit Beeinträchtigungen der emotionalen und sozialen Entwicklung. Die Diagnose Autismus-Spektrum-Störung wird in den letzten Jahren immer häufiger gestellt, wobei der steigende Bekanntheitsgrad der Krankheit hauptverantwortlich dafür zu sein scheint, da Eltern Entwicklungsstörungen ihrer Kinder wesentlich kritischer betrachten, als es früher der Fall war. Diese Entwicklung unterstützten auch einschlägige Medienberichte sowie zahlreiche  Verfilmungen (hier war RAIN MAN mit Dustin Hofmann Ende der 1980-er Jahren noch eine Ausnahme und Vorreiter), wobei seit dem zahlreiche Verfilmungen das Thema behandeln.

Weiters wurden Diagnostik und Klassifikationssysteme in der Psychiatrie – allen voran die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme der Weltgesundheitsorganisation (WHO), kurz ICD, sowie die US-DSM von der American Psychiatric Association – verbessert beziehungsweise modifiziert, was ebenfalls auf die gestiegene Häufigkeit bei Diagnosen hindeutet.

 

Autismus-Spektrum-Störungen

Der Schweizer Psychologe Eugen Bleuler (gelebt von 1857 bis1939) hat die Bezeichnung Autismus als erster Wissenschaftler verwendet und beschrieb damit Menschen mit Schizophrenie, bei denen er ein gestörtes Sozialverhalten registrieren musste: mit geringen kommunikativen Fähigkeiten bis hin zur sozialen Isolation und Flucht in eine eigene Welt.

Heute weiss man, dass Autismus-Spektrum-Störungen sind tiefgreifende Entwicklungsstörungen sind, die sich bereits in der frühen Kindheit manifestieren und die Betroffenen lebenslang beeinträchtigen. Die aktuellen Prävalenzraten liegen bei 1 von 110, wobei männliche Patienten 3- bis 4-mal häufiger betroffen sind.

Eines der Hauptmerkmale der Autismus-Spektrum-Störungen ist die gestörte soziale Interaktionsfähigkeit. Das gesamte Spektrum der Beeinträchtigungen scheint allerdings bis zum heutigen Tag nicht vollständig erkannt zu sein. Dazu zählen eben Defizite im sozial-emotionalen Verhalten, in der nonverbalen Kommunikation und im Aufbau und der Pflege von Beziehungen. Es werden aber auch Störungen wie ADHS den Autismus-Spektrum-Störungen zugeordnet. Weiters beschreibt die Forschung als zugehörig motorische Beeinträchtigungen, das einnehmende Fokussieren auf ein bestimmtes Themengebiet sowie sensorische Überforderung der betroffenen Personen.

 

Fehlfunktion der Synapsen von Nervenzellen im Belohnungssystem

Schon länger werden genetische Ursachen vermutet, die sich auf Gehirnentwicklung und Gehirnfunktion auswirken. In einer aktuellen Studie untersuchten Forscher der Universitäten Basel und Genf, ob eine Fehlfunktion der Synapsen von Nervenzellen – den Verknüpfungen, mit denen die Neuronen miteinander kommunizieren – im Belohnungssystem zu Autismus-Spektrum-Störungen führen könnten. Das Belohnungssystem ist wichtiger Schaltkreis im Gehirn, der notwendige Motivation auslöst und so bestimmte Verhaltensweisen verstärkt.

Es konnte bereits früher in verschiedenen Studien nachgewiesen werden, dass eine Funktionsstörung des Systems die Ursache für Veränderungen im Sozialverhalten sein könnte, die bei Autismus-Spektrum-Störungen typisch sind. Im Blickpunkt stehen defekte Nervenzellen, die normalerweise für ein funktionierendes Belohnungssystem maßgeblich sind.

Die Schweizer Wissenschaftler wollten nun im Mausmodell für sozialen Interaktionen wichtige dopaminerge Nervenzellen identifizieren, um herausfinden, ob sich ein beeinträchtigtes Sozialverhalten bei Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen durch neuronale Veränderungen erklären lässt.

Dazu imitierten die Forscher eine bei Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen vorkommende Genmutation, indem sie bei Mäusen das Gen Neuroligin 3 ausschalteten beziehungsweise den Aktivitätsgrad von Neuroligin 3 in diesen dopaminergen Neuronen sehr stark verringerten. Dementsprechend veränderte Mäuse zeigten im Gegensatz zu gesunden mangelndes Interesse an Neuem und eine geringe Motivation für soziale Interaktionen. Beides treten oft auch im Zusammenhang mit Autismus-Spektrum-Störungen auf.

Fähigkeit der Synapsen, sich zu verändern und anzupassen, analysiert. Ein verändertes Sozialverhalten beziehungsweise soziale Interaktionen führt auch zu Veränderungen an den Synapsen zur Aufrechterhaltung von Interesse und sozialem Kontakt. Neuroligin-3-Mangel beeinträchtigte als sozial definierte Synapsen, sodass die Reaktion auf einen neuen Reiz geringer ausfiel. Zu ähnlichem Defizit kam es bei Mutation im Shank 3-Gen, das ebenfalls bei Autismus-Spektrum-Störungen eine wichtige Rolle spielt.

Heute sind über 100 verschiedene Gene bekannt, die mit autistischen Symptomen in Zusammenhang stehen. viele von ihnen sind sehr wichtig für die Funktion der Synapsen, was mit einem gestörten Sozialverhalten bei Autismus-Spektrum-Störungen assoziiert ist.

Da Autismus ein breites Spektrum an Symptomen zeigt, sind unterschiedliche Behandlungsmethoden notwendig. Dazu müssen Funktionsstörungen bestimmter neuronaler Schaltkreise und deren genetischer Hintergrund weiter analyisert werden.

Literatur:

Sebastiano Bariselli, Hanna Hörnberg, Clément Prévost-Solié, Stefano Musardo, Laetitia Hatstatt-Burkle, Peter Scheiffele and Camilla Bellone. ​​​​​​Role of VTA dopamine neurons and Neuroligin3 in sociability traits related to non-familiar conspecific interaction. Nature Communications (2018), doi: 10.1038/s41467-018-05382-3

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Rainer Muller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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