»Aspirin-Asthma« und Analgetika-Asthma vermeiden

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Als »Aspirin-Asthma« und Analgetika-Asthma werden NSAR-induzierte Asthmaanfälle bezeichnet, die äußerst heftig unmittelbar nach Schmerzmitteleinnahme auftreten können.

Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure von Aspirin löst wie andere NSAR – nicht steroidale Antiphlogistika – bei 2 von 1000 Asthmatikern bzw. bei Patienten mit Prädisposition in 6–20% eine Obstruktion der Atemwege aus. Die Symptome reichen von leichten Atembeschwerden bis zur asthmatischen Dyspnoe, sogar dem Status asthmaticus, der Maximalvariante. Asthmatiker sollten bezüglich der Gefahren von NSAR-haltigen Arzneimitteln und möglicher schwerer Anfälle, die nach der Anwendung auftreten können, aufgeklärt sein. Wer bereits schon einmal durch Aspirin-Asthma oder Analgetika-Asthma mit einer Exazerbation reagiert hat, muss damit rechnen, dass sich das wiederholt. Die Bezeichnung »Medikamenten-induziertes Asthma« sollte übrigens besser »Medikamenten-exazerbiertem Asthma« heißen, denn in den meisten Fällen besteht vorher bereits Asthma. Am stärksten reagieren betroffene Asthmatiker auf Indometacin, während Paracetamol auch in hohen Dosen noch vertragen wird.

 

Wirkmechanismen von Aspirin-Asthma bzw. Analgetika-Asthma

Aspirin-Asthma bzw. Analgetika-Asthma treten ähnlich wie eine allergische Reaktion sofort nach Einnahme eines Schmerzmittels auf. Aspirin-Asthma bzw. Analgetika-Asthma lassen sich über den Wirkmechanismus von NSAR erklären: Durch die Hemmung von Cyclooxygenasen (COX) wird Arachidonsäure verstärkt von der Lipoxygenase in Leukotriene umgewandelt, die den Asthmaanfall auslösen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass Acetylsalicylsäure den Ascorbinsäure-Spiegel im Gewebe senkt.

Bei Aspirin-Asthma kann es unter therapeutischen Dosierungen von Acetylsalicylsäure (ASS) in Einzeldosis oder in 6-Stunden-Intervallen zu einer vollständigen Hemmung der Aufnahme von Ascorbinsäure in die Leukozyten kommen, da Acetylsalicylsäure mit den Mechanismen der Energiebereitstellung für aktive Transportmechanismen durch die Zellmembranen interagiert. In einer Studie (Lohn und Mitarbeitern) gesunden Versuchspersonen 600 mg ASS in 6-Stunden-Intervallen über 7 Tage gegeben wurden, kam es am 4. Tag zu einer Abnahme der Plasma-Ascorbinsäure-Spiegel um 87%.

Unter den Aspekten der ­stabilisierenden Effekte von Vitamin C auf die Mastzellen, der Vitamin-C-Abhängigkeit der Delta-6-Desaturase und der Modulation des Cyclooxygenase- und Lipoxygenase-Weges bei der ­Metabolisierung der Arachidonsäure wird die bronchokonstriktorische Wirkung von ASS als Folge der Störung des Vitamin-C-Stoffwechsels trans­parent (siehe Abbildung).

Abb. 7: Arachidonsäure-, Linol- und Linolensäure-Stoffwechsel (aus: Deutsche Apothekerzeitung 131 Nr. 4; 1991).

Arachidonsäure-, Linol- und Linolensäure-Stoffwechsel (aus: ÖAZ 14/1998).

Quellen:

Analgetika- und Aspirin-Asthma. MEDMIX 12/206

Loh, H. S; et al; The effects of Aspirin on the Metabolic Availability of Ascorbic acid in Human Beings. The Journal of Clinical Pharmacology. 480–86 (Nov. 1973)

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Axel Rhindt

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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