Arthrose erkennen und behandeln

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Arthrose ist nicht heilbar und kann unter Betroffenen die Lebensqualität sehr beeinträchtigen. Ob Schulter, Hüfte oder Knie: Patienten kämpfen oft mit starken Schmerzen und Mobilitätsverlust.

Bereits jetzt ist die Arthrose die am weitesten verbreitete rheumatische Erkrankung. Doch sie und andere degenerative Gelenkerkrankungen werden in Zukunft rasant an Häufigkeit zunehmen.

Die Arthrose-Krankheit ist die am weitesten verbreitete rheumatische Erkrankung und vermag alle Gelenke zu befallen. Betroffene leiden unter Schmerzen, die Funktionalität und Arbeitsfähigkeit, damit auch die Lebensqualität schwer beeinträchtigen können. In schweren Fällen kommt es zudem zu Invalidität und Pflegebedürftigkeit der betroffenen Patienten. Am besten beschrieben ist das Krankheitsbild der Arthrose als eine Störung des Gleichgewichtes zwischen Ab- und Aufbauprozessen innerhalb des Gelenkknorpels. Als lokalisierte Störung verursacht die Arthrose in der Regel keine Allgemeinsymptome.

Als Risikofaktoren konnten falsche Bewegungsmuster, Übergewicht, weibliches Geschlecht und vorangehende Traumata oder Gelenkentzündungen definiert werden. Mit steigender Lebenserwartung werden degenerative Gelenkerkrankungen häufiger werden und so zur Kostensteigerung in den Gesundheitssystemen beitragen. Somit stellen die so genannten degenerativen Gelenkerkrankungen eine bedeutende Herausforderung für die Rheumatologie dar.

 

Wie man eine Arthrose erkennen kann

Üblicherweise bereitet eine Arthrose über längere Perioden keine wahrnehmbaren Beschwerden. Obwohl man in entsprechenden Röntgenaufnahmen sehr früh bereits Veränderungen durch die Arthrose erkennen kann, sind noch keine Beeinträchtigungen gegeben. Erst wenn der Prozess ein bestimmtes Ausmaß erreicht hat beziehungsweise zusätzliche Risikofaktoren, wie zum Beispiel Überlastung, schlagend werden, wird aus der zunächst unbemerkten eine klinisch eindeutig als solche erkennbare Arthrose.

Am häufigsten betrifft die Arthrose-Krankheit die Kniegelenke, gefolgt von den Hüftgelenken, den Sprunggelenken, den Hand-Fingergelenken und den kleinen Wirbelgelenken. Erstsymptome sind Anlauf- bzw. Startschmerz, Ermüdungsschmerz und schließlich der Belastungsschmerz. Beim Auftreten einer Gelenkschwellung oder eines Gelenkergusses spricht man von einer aktivierten Arthrose. Bei weiterem Fortschreiten tritt auch Ruhe-, Dauer- und Nachtschmerz auf.

Darüber hinaus sind bei einem zunehmend schweren Verlauf häufig auch sekundäre Strukturen wie beispielsweise Sehnenansätze, Bänder und Bursen, betroffen. Zu den klinischen Symptomen zählen dabei u.a. das Aneinanderreiben von Knochenstrukturen, Fehlstellungen, Bewegungseinschränkungen und auch Gelenkschwellungen. Im Falle der aktivierten Arthrose, kommt es wie gesagt zu entsprechenden Schwellungen und auch Reizergüssen in den Gelenken.

 

Mit Synovialanalyse und Röntgen Arthrose erkennen

Für eine Arthrose typische Laborbefunde existieren nicht. Im Gegensatz zur entzündlichen Erkrankung findet sich bei einer Arthrose keine oder – gelegentlich bei aktivierter Arthrose – nur eine gering ausgeprägte Akutphasenreaktion (Erhöhung von Entzündungswerten). Das wesentlichste diagnostische Instrument, um eine Arthrose erkennen zu können, stellt die sogenannte Synovialanalyse dar. Das Röntgen bietet ebenfalls guten diagnostische Möglichkeiten.

 

Medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten der Arthrose

Im Vordergrund der Symptomatik der aktivierten Arthrose steht der Schmerz, welcher die rheumatischer Erkrankung für den Patienten erst zum Problem macht. Besonders soll hier angemerkt werden, dass bei der blinden, also nicht aktivierten Arthrose Substanzen wie Paracetamol, Mefenaminsäure oder Opioide für eine entsprechende Schmerzlinderung zu bevorzugen sind. Gegenwärtige therapeutische Möglichkeiten beschränken sich also im Wesentlichen auf eine Verbesserung der vorhandenen Symptome.

Für einige Substanzen (SYSADOA), wie Chondroitinsulfat, Glucosaminsulfat, Diacerein und Hyaluronsäure gibt es gut belegte Daten für einen Eingriff in den Krankheitsprozess im Sinne einer Verzögerung des Knorpelabbaues. Eingriffe in den Krankheitsverlauf – das heißt Erreichen einer erfolgreichen Regeneration – scheinen heute auch durch die Entwicklung neuere Substanzen mit verschiedenen Angriffspunkten (sogenannte Metalloproteinaseinhibitoren, Cytokine, Cytokinantagonisten, Wachstumsfaktoren) vorstellbar.

Chondroitinsulfat. Chondroitinsulfat braucht der Körper für den Knorpelaufbau. Wegen der sehr hohen Wasserbindungskapazität unterstützt dieses natürlich vorkommende Glykosaminoglykan die mechanisch-elastischen Fähigkeiten des Gelenkknorpels. Chondroitinsulfat soll aber auch schmerzlindernde, entzündungshemmende, immunmodulierende, antioxidative und neuroprotektive Effekte bringen.

Glucosaminsulfat. Der Aminozucker Glucosaminsulfat ist Bestandteil der Polysaccharidketten der Knorpelmatrix sowie des Glucosaminoglykans in der Gelenkflüssigkeit. In diversen Analysen wurden schmerzlindernde, entzündungshemmende, Knorpel protektive und Knorpel aufbauende Effekte beschrieben.

Diacerein. Diacerein wirkt langsam gegen die Symptome bei Arthrose. Obwohl sein Wirkmechanismus nicht vollständig bekannt ist, wird vermutet, dass die Substanz den Wirkungen von Interleukin-1beta blockiert beziehungsweise verringert und so dem Prozess der Zerstörung des Gelenkknorpels und synovialer Entzündungen entgegenwirken soll. Nach der Überprüfung der Sicherheit und Wirksamkeit von Diacerein – vor allem wegen teilweise schwerer gastroenterolgischer Nebenwirkungen wie Durchfall – im Jahr 2014 wurde das Nutzen-Risiko-Verhältnis bei der symptomatischen Behandlung der Osteoarthritis weiterhin positiv bewertet.

Hyaluronsäure. Hyaluronsäure ist Hauptbestandteil der Synovia, der Gelenkflüssigkeit. Nach einer Metaanalyse imJahr 2015 kamen Forscher zu dem Schluss, dass die untersuchte Datenlage zur Wirksamkeit nicht eindeutig sei und Injektionen mit Hyaluronsäure nur unter Vorbehalt, wenn einfache Schmerzmittel versagt haben, eingesetzt werden sollte. Zu den unerwünschten Wirkungen gehören vor allem Schmerzen und Schwellungen, die aber nach einigen Tagen wieder zurückgehen. Laut einer US-amerikanischen Studie aus dem Jahr 2017 sollen regel­mäßige Injektionen von Hyaluronsäure ins Knie sogar negative Effekte für den Gelenk­knorpel bringen und den Gelenkverschleiß beschleunigen.

 

Alternative therapeutische Maßnahmen

Zu den verfügbaren therapeutische Maßnahmen zählen neben der möglichst vollständigen Ausschaltung den Verlauf ungünstig beeinflussender Risikofaktoren auch physikalisch-therapeutische und rehabilitative Methoden, symptomatisch wirkende Medikamente und orthopädisch-chirurgische Eingriffe. Von großer Bedeutung ist das Erlernen physiologisch richtiger Bewegungsmuster und Muskelkräftigung. Ziel all dieser, natürlich an den Zustand des Patienten anzupassender, Therapien ist es, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und über eine Stärkung der Muskulatur Fehlstellungen vorzubeugen.

Heilgymnastik und Ergotherapie haben also herausragende Bedeutung in der Therapie der Arthrose, die im Sinne der Prävention, aber auch der Muskelkräftigung zu sehen ist. Gezielte Übungen zur Vermeidung falscher Bewegungsmuster, Beinlängenausgleich, Auswahl der für den Zeitpunkt richtigen Hilfsmittel, wie z.B. Gehstock zur Entlastung, sind wesentliche Faktoren, die die Progression des degenerativen Prozesses verlangsamen können.

Orthopädisch chirurgische Maßnahmen, seien sie präventiv oder reparativ, haben sich als effektiv, aber in jedem Falle als kostenintensiv erwiesen. Bei kombiniertem Einsatz konservativ-therapeutischer Maßnahmen – Prävention, physikalische Therapie und medikamentöse Behandlung – ist eine günstige Beeinflussung der Arthrosekrankheit, das heißt Progressionsminderung, Schmerzreduktion, gesteigerte Mobilität und Lebensqualität für den Patienten, mit großer Wahrscheinlichkeit möglich.

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About Author

Dr. Darko Stamenov

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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