Arterielle Hypertonie-Diagnostik

0

Die Arterielle Hypertonie ist weit verbreitet, einer genauen Hypertonie-Diagnostik nebst der entsprechenden Therapie kommt besondere Bedeutung zu.

Die Häufigkeit der arteriellen Hypertonie ist außergewöhnlich hoch und liegt bei 25–30%, im höheren Alter bei über 50%. Es handelt sich dabei um eine »echte Volks­krank­heit«, weswegen einer genauen Hypertonie-Diagnostik und einer entsprechenden Therapie besonderer Bedeutung beigemessen werden soll.

Arterielle Hypertonie ist eine der am häufigsten gestellten Diagnosen in westlichen Industrieländern. Bluthochdruck gehört isoliert, aber vor allem mit anderen ­Risikofaktoren gemeinsam und im Rahmen des metabolischen Syndroms, zu den wichtigsten Ursachen für das frühzeitige Auftreten einer Atherosklerose mit ihren schwerwiegenden ­Folgeerkrankungen. Daneben besteht besonders bei nicht adäquater Blutdrucksenkung die Gefahr des Entstehens einer linksventrikulären Hypertrophien, Herzinsuffizienz, Gefäßaneurysmen, Arrhythmien, Enzephalopathien, Nieren­schä­digung, um nur einige zu nennen.

 

Hypertonie-Diagnostik

Die Hypertonie-Diagnostik beinhaltet zunächst die Klärung, ob arterielle Hypertonie besteht oder nicht, weiters die Suche nach der Ursache und natürlich auch das Screening auf weitere Risiko­faktoren sowie auf bereits be­stehende Folgeschäden.

Der Blutdruck kann im Sinne ­einer Gelegenheitsmessung in medizinischen Einrichtungen gemessen werden, was jedoch nur eine Momentanaufnahme darstellt. Daneben besteht die Möglichkeit der Selbstmessungen und der 24-h-Blutdruckmessungen.

In Anbetracht der großen Variabilität eignet sich die Gelegenheits­blut­druckmessung nur bedingt. Selbstmessungen ergeben in aller Regel ein klareres Bild, nach Empfehlung der Österreichischen Gesellschaft für Hypertonie sollen jedoch mindestes 30 Messungen herangezogen werden. Die ambulante Blutdruck-Langzeitmessung (ABDM) mit ihrer relativ hohen Messdichte ergibt klare Vorteile gegenüber Einzel­mes­sungen und ermittelt gleich­zeitig die Nachtwerte.

Die ABDM bietet eine wesentlich bessere Korre­lation zu Folgeschäden als die ­ermittelten Praxiswerte und sollte daher bei der Erstdiagnostik, aber auch zur Überprüfung des Therapieerfolges herangezogen werden. Falls verfügbar ist eine ergo­metri­sche Untersuchung zur Aufdeckung einer Bela­stungs­hypertonie (bei 100 Watt ≥ 200mmHg systolisch), zum Aus­schluß einer manifesten koronaren Herzerkrankung sowie Arrhythmien vorteilhaft.

 

Ätiologie

Die häufigste Hochdruckform ist die essentielle Hypertonie (eh), die nach heutiger Auffassung multifaktoriell und polygen bedingt ist. Diese Diagnose wird nach dem Ausschluss sekundärer Hypertonieformen gestellt. 5–8% der neu festgestellten ­Hypertonien gehen ursächlich auf chronische Nierenerkrankungen zurück. Katecholamin-produzierende Tumoren (Phäochromozytom), ­Aldosteron-produzierende Tumoren (Conn-Syndrom) oder auch Morbus Cushing stellen seltene Ursachen einer arteriellen Hy­per­tonie dar. Eine diesbezügliche Ausschlussdiagnostik ist vor allem bei entsprechenden klinischen, aber auch laborchemischen Hinweisen sinnvoll. Die Diagnostik beruht in erster Linie auf bildgebenden Verfahren (Sonographie, MRT, CT) und Labordiagnostik.

Den Hinweis auf eine Aortenisthmusstenose als Ursache für eine arterielle Hypertonie kann eine Palpation der peripheren Pulse bzw. eine Dopplerdruck­messung am Arm und im Knöchelbereich ergeben. Die Suche nach einer sekundären Ursache bei Auftreten einer arteriellen Hypertonie sollte vor allem dann erfolgen, wenn die Patienten besonders jung sind, bei gleichzeitigem Hinweis auf eine Nierenerkrankung, schwer einzustellender Hypertonie sowie bei plötzlicher Entgleisung.

Hinzuweisen ist auf die Tatsache, dass sich die arterielle Hy­per­tonie beim Phäochromozytom auch als Dauerhypertonie präsentieren kann und dass die Plasmakonzentrationen der zu bestimmenden Katecholamine hoch variabel sind.

Beim Verdacht auf das Conn-Syndrom muss das Serumkalium bestimmt werden, mehrere Wochen nach dem Absetzen von Diuretika. Zu beachten ist, dass ein normaler Kaliumspiegel das Bestehen des genannten Syndroms nicht ausschließt. Bei hohen nächtlichen Blutdruckwerten muss bei entsprechenden klinischen Hinweisen auch an ein Schlafapnoe-Syndrom gedacht werden. In diesem Fall muss eine adäquate Abklärung durch Polysomnographie durchgeführt werden.

Nächtliche Blutdruckspitzen können außerdem als Hinweis für eine sekundäre Hypertonie dienen, man findet diese auch bei Diabetikern, in der Schwangerschaft, aber gelegentlich auch bei essentieller Hypertonie.

 

Basisdiagnostik

Die Basisdiagnostik umfasst eine klinische Untersuchung, laborchemisches Screening und apparative Diagnostik.

Die Labordiagnostik sollte eine Untersuchung des Urins inklusive des Sediments (Mikroalbuminurie) umfassen, im Blut: Krea­titin, Harnstoff, Harnsäure, Kalium, Kalzium, Lipidstatus, Blutbild. Bei Vorliegen von Über­gewicht bzw. bei Vorkommen von Diabetes mellitus in der Familie empfiehlt sich die Durchführung eines OGTT.

Wie bereits angeführt wurde, sollte bei Verdacht auf sekundäre Hypertonie eine weiterführende endokrinologische Labordiagnostik angeschlossen werden, allenfalls inklusive des TSH. Die apparative Diagnostik sollte einen EKG (bestenfalls mit Ergometrie) und Echokardiographie zumindest bei der Erstuntersuchung umfassen, da nur ein kleiner Prozentsatz der Patienten mit linksventrikulärer Hypertrophie im EKG erfasst werden kann. Wei­ters ermöglicht die Echokardiographie eine Funktionsdiagnostik des Herzens, Hohlraumbemessungen und Klappendiagnostik, auch wird der Zustand der aszendierenden Aorta gezeigt.

Die Sonographie des Oberbauches ermöglicht Einblick in die Struktur der Nieren, mittels Doppler kann auch der Zustand der Nierenarterien bzw. der ­abdominellen Aorta beurteilt wer­den. Weiters können sich Hinwei­se auf Erkrankungen der Ne­ben­niere zeigen. Bei bereits bestehender Mikro- bzw. Makro­angiopathie sollte neben der bereits erwähnten Ergometrie, der Zustand der peripheren Gefäße mittels Dopplersonographie beurteilt und allenfalls eine Untersuchung des Augenhintergrundes angeschlossen werden.

Zusammenfassend darf festgehalten werden, dass die Diagnostik bei der arteriellen Hypertonie eine Basisdiagnostik enthält, anfangs mit Messungen des Blut­drucks (am besten mit ABDM), einer klinischen Untersuchung, Laborscreening und zumindest einem EKG, nach Möglichkeit ergänzt durch Echokardiographie und Sonographie, bei speziellen Fragestellungen ist eine weitergehen­de Diagnostik erforderlich. Diese ist vor allem Ärzten der Inneren Medizin und Kardiologie, aber auch anderer Fachrichtungen vorbehalten. In Anbetracht der Bedeutung der Hochdruckkrankheit, vor allem in Hinblick auf Morbidität und Mortalität – unbehandelt besteht eine Einschränkung der Lebenserwartung – ist eine sorgfältige Diagnostik unerlässlich. Einer genauen Abklärung, ob überhaupt ein Hochdruck besteht, wenn ja, in welcher Form bzw. ob bereits Endorganschäden vor­liegen, sollte daher großer Stellenwert beigemessen werden.

Quelle:

https://www.hochdruckliga.de/leitlinien-zur-diagnostik-und-therapie-der-arteriellen-hypertonie.html

Arterielle Hypertonie-Diagnostik Dr. Paul Pavek und Dr. Heike Weissensteiner. MEDMIX 3/2007

Share.

About Author

Dr. Darko Stamenov

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

Comments are closed.