Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen

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In einer unlängst publizierten Metaanalyse wurden Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen zu Wirksamkeit und Verträglichkeit bei depressiven Störungen verglichen.

In einer vor knapp zwei Jahren im Fachmagazin Lancet veröffentlichten Metaanalyse wurden die Wirksamkeit und Verträglichkeit von unterschiedlichen Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen mit der Diagnose endogene depressive Störung verglichen. Finanziert wurde die sogenannte Netzwerk-Analyse vom National Basic Research Program of China – Nationales Grundlagenforschungsprogramm von China.

 

Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen bieten keinen klaren Vorteil

Der Einsatz von Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen bei der Diagnose endogene depressive Störung – eine der häufigsten psychischen Störungen bei den jungen Betroffenen – und welche Wirkstoffe zur Anwendung geeignet sind, wird von Experten kontrovers diskutiert.

Deswegen wurden in der vorliegenden Metaanalyse Placebo und Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen mit endogener depressiven Störung verglichen und bzgl. Wirksamkeit und Verträglichkeit gereiht.

Unter Berücksichtigung des Risiko-Nutzen-Profils von Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen in der Akutbehandlung der endogenen depressiven Störung scheinen alle getesteten Wirkstoffe keinen klaren Vorteil zu bringen. Sollte eine pharmakologische Behandlung unbedingt angezeigt sein, scheint aufgrund der Ergebnisse Fluoxetin vermutlich die beste Wahl zu sein.

 

Netzwerk-Metaanalyse im Detail

In der im Lancet publizierten Netzwerk-Metaanalyse wurden die direkte und indirekte Evidenz von entsprechenden Studien identifiziert. Die einbezogenen Quellen waren unter anderem PubMed, die Cochrane-Bibliothek, Web of Science, Embase, CINAHL, PsycINFO, LiLACS, Websites von Zulassungsbehörden und internationale Register – alle zur Anwendung von Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen zur Akutbehandlung einer endogenen depressiven Störung.

In den einbezogenen Studien wurden die Wirkstoffe Amitriptylin, Citalopram, Clomipramin, Desipramin, Duloxetin, Escitalopram, Fluoxetin, Imipramin, Mirtazapin, Nefazodon, Nortriptylin, Paroxetin, Sertralin und Venlafaxin geprüft. Ausgeschlossen wurden Untersuchungen:

  • mit Probanden, die an einer behandlungsresistenten Depression litten,
  • mit einer Behandlungsdauer von weniger als 4 Wochen oder
  • mit einer Gesamtstichprobengröße von weniger als zehn Patienten.

Die Bias-Risiko-Beurteilung erfolgte mit dem Bias-Risiko-Instrument nach Cochrane, die primären Endpunkte waren die Wirksamkeit – im Sinne der Veränderung von Depressivsymptomen – und die Verträglichkeit – im Sinne von Abbrüchen wegen unerwünschten Ereignissen.

In 34 als geeignet eingestuften Studien waren schlussendlich 5.260 Probanden eingeschlossen – sowie 14 Behandlungen mit Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen. Als sehr schlecht wurde allgemein die Qualität der Evidenz bewertet.

Nur der Wirkstoff Fluoxetin war bei der Wirksamkeit statistisch signifikant wirksamer als Placebo. Auch hinsichtlich der Verträglichkeit brachte Fluoxetin die besten Ergebnisse.

Quelle:

Cipriani A, Zhou A, Giovane CD, et al. Comparative efficacy and tolerability of antidepressants for major depressive disorder in children and adolescents: a network meta-analysis. The Lancet.2016; Doi: 10.1016/S0140-6736(16)30585-2.

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Axel Rhindt

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