Mittwoch, April 24, 2024

Angina pectoris-Beschwerden nach Bypass-Operation

Angina pectoris-Beschwerden werden nach Bypass-Operation durch Krämpfe der Herzkranzgefäße – sogenannte Koronarspasmen – verursacht.

Die koronare Herzerkrankung (KHK) ist eine sehr häufige Herzerkrankung und entsteht dadurch, dass sich Herzkranzgefäße in einem langen schleichenden Prozess verengen, so dass die Durchblutung des Herzens behindert wird. Eine Bypass-Operation oder Stentbehandlung kommt in Betracht, wenn trotz der Medikamente Angina pectoris-Beschwerden häufig und heftig auftreten und wenn die Engstellen (Stenosen) die Lebenserwartung beeinträchtigen.



KHK-Patienten haben nach einer Bypass-Operation oft anhaltende oder wiederkehrende Angina pectoris-Beschwerden. Jedoch finden sich häufig trotz einer Katheteruntersuchung (Koronarangiographie) keine behandlungsbedürftigen Verengungen der Herzkranzgefäße als Ursache der Beschwerden.

Dass diese Beschwerden durch Krämpfe der Herzkranzgefäße (sog. Koronarspasmen) verursacht werden können, die einer medikamentösen Behandlung bedürfen, haben systematische Untersuchungen im Rahmen einer Studie gezeigt, bei denen erstmals ein spezieller Test, der Acetylcholin-Test (ACH-Test), zur Ursachenklärung eingesetzt wurde.

 

Acetylcholin-Test ermöglicht gezielte Behandlung der Koronarspasmen

Der Acetylcholin-Test erleichtert eine zielgerichtete Behandlung der Beschwerden von Herzpatienten nach Bypass-Operation und helfen unnötige diagnostische Maßnahmen zu vermeiden, da frühzeitig Koronarspasmen als Ursache der Beschwerden identifiziert, zugleich aber Durchblutungsstörungen ausgeschlossen werden können. Er ermöglicht es den Ärzten, im sicheren Umfeld der Klinik die gleichen Beschwerden zu erzeugen, die die Patienten zu Hause spüren, um dann eine gezielte Therapie einzuleiten. Dieses Verfahren ist deshalb von hohem Nutzen für die klinische Praxis.

In einer Studie untersuchten Forscher 40 Patienten, die zuvor einer Bypass-Operation am Herzen unterzogen worden waren und eine anhaltende, wiederkehrende Angina pectoris (25 % Belastungs-Angina, 33 % Ruhe-Angina, 42 % gemischte Angina) und keine bedeutsamen Verengungen der Herzkranzgefäße oder der Bypässe aufwiesen (73 % Männer, Alter im Mittel 70±10 Jahre, Dauer nach der Bypass-Operation im Mittel 5,5 Jahre).

Bei 78 % der Patienten zeigte sich eine Verkrampfung der Herzkranzgefäße als Ursache für die Beschwerden. Bei 12 % der Patienten war der Acetylcholin-Test unauffällig. Daher sind Koronarspasmen insbesondere bei Patienten nach einer Bypass-Operation, bei denen keine behandlungsbedürftige Engstelle zu finden ist, eine wichtige Erklärung für die Beschwerden.

Der Acetylcholin-Test ist bei diesen Patienten nützlich, um die Ursache der Beschwerden rasch zu klären und eine zielgerichtete medikamentöse Therapie einleiten zu können. Diese besteht neben der medikamentösen Therapie der koronaren Herzkrankheit in der Regel aus Calziumantagonisten und Nitratpräparaten.




Literatur:

Ong, Peter & Athanasiadis, Anastasios & Perne, Andrea & Mahrholdt, Heiko & Schäufele, Tim & Hill, Stephan & Sechtem, Udo. (2013). Coronary vasomotor abnormalities in patients with stable angina after successful stent implantation but without in-stent restenosis. Clinical research in cardiology: official journal of the German Cardiac Society. 103. 10.1007/s00392-013-0615-9.


Quelle: www.herzstiftung.de

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