Alkohol bei chronischen Schmerzen

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Regelmäßiger Konsum von Alkohol bei chronischen Schmerzen senkt die Wahrscheinlichkeit für Behinderungen bei betroffenen Patienten – die meisten Studienprobanden litten an Fibromyalgie.

In dieser britischen Untersuchung zu Alkohol und Schmerzen nahmen 13574 Personen teil – mit einem Durchschnittsalter von 55 Jahren bei den Männern und 57 Jahren bei den Frauen. Aus der Gesamtgruppe wurden 2.239 Patienten mit chronischen Schmerzen identifiziert, wobei die meisten Studienprobanden an Fibromyalgie litten.

 

21 bis 35 Wocheneinheiten Alkohol bei chronischen Schmerzen

Unter denjenigen, die regelmäßig Alkohol konsumierten, war Anzahl und/oder Schwere der Behinderungen wesentlich moderater als bei jenen Patienten, die nie oder nur selten tranken. Die Einzelergebnisse zeigten, dass die Patienten, die 21 bis 35 Einheiten Alkohol pro Woche tranken, eine 67% geringere Wahrscheinlichkeiten für eine Behinderung hatten, als die Nichttrinker. Eine Einheit Alkohol war etwa ein halber Liter Bier mit durchschnittlicher Stärke, ein kleines Glas Wein oder ein Drink mit Spirituosen.

 

Ein großer Anteil der Bevölkerung leidet an chronischen Schmerzen

Zu den häufigsten Krankheitsbildern chronischer Schmerzen gehören Rücken- und Kopfschmerzen, gefolgt von Nervenschmerzen. Bei solchen Patienten liegt ein schwer behandelbares Schmerzsyndrom vor, wobei sich der Schmerz verselbständigt hat und eben zu einer eigenständigen Krankheit mutierte: der chronischen Schmerzkrankheit – im Englischen einer sogenannten Chronic Widespread Pain (CWP).

Die suffiziente Therapie chronischer Schmerzpatienten ist bis heute ungenügend. Patienten mit chronischen Schmerzen leiden im Durchschnitt sieben Jahre lang, 21 Prozent der Betroffenen leidet sogar 20 Jahre oder länger an ihren chronischen Schmerzen.

Es kann zu Behinderungen und starken Bewegungseinschränkungen kommen, wodurch in vielen Fällen der Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann. Auch Freizeitaktivitäten und soziale Kontakte und sogar auch Partnerschaften werden vernachlässigt, was letztendlich Isolation, Resignation, Verlust der Lebensfreude und Depression zur Folge haben kann.
Patienten mit chronischen Schmerzen sind aber auch sehr teuer für das Gesundheitssystem: Die Kosten für medizinische Leistungen und Arbeitsausfälle sowie krankheitsbedingte Frührenten sind zu einem echten volkswirtschaftlichen Faktor geworden. Patienten mit chronischen Schmerzen wechseln verständlicherweise häufig den Arzt, werden mit falschen Diagnosen konfrontiert und bekommen oft unzureichend wirksame Therapien. Dies ist verbunden mit wiederholten, langen kostenintensiven Krankenhausaufenthalten und unnötigen Operationen.

 

Alkohol bei chronischen Schmerzen

„Wir wollen zwar nicht allgemein sagen, dass bei Patienten mit chronischen Schmerzen regelmäßiger Alkoholkonsum weniger Behinderungen verursacht, die beobachteten Zusammenhänge rechtfertigen aber weitere Untersuchungen“, sagte Dr. Gary Macfarlane, Co-Autor der Studie, die im Journal Arthritis Care & Research Studie unlängst veröffentlicht wurde.

Bevor es aber nicht weiter Klarheit gibt beziehungsweise der Wirkmechanismus erforscht ist, sollte man hier keinesfalls mit der Selbsttherapie beginnen, denn ein Konsum von 21 bis 35 Alkoholeinheiten pro Woche ist keineswegs zu empfehlen.

Quelle: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/acr.22604/abstract

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Rainer Müller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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