Alkohol am Arbeitsplatz tabuisiert

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Die Problematik Alkohol am Arbeitsplatz ist speziell in der Medienbranche aber auch in Gesundheitsberufen häufig zu beobachten – und auch besonders tabuisiert.

Eine große Anzahl der Berufstätigen sind alkoholkrank oder stark gefährdet, es zu werden. Diese Arbeitnehmer konsumieren täglich mehr als 60 Gramm beziehungsweise 40 Gramm reinen Alkohol. Das bedeutet, dass sie mehr als jene Menge trinken, die die Weltgesundheitsorganisation WHO als gesundheitsgefährdend einstuft. Erfreulicherweise widmen sich immer mehr Unternehmen in offener und kompetenter Weise dem Problem Missbrauch von Alkohol am Arbeitsplatz. Dennoch besteht nach wie vor Bedarf vor allem in Klein-, Mittel- und Familienbetrieben sowie in Institutionen des Gesundheits- und Sozialbereichs, der öffentlichen Hand und in der Medienbranche.

 

Teils hohe Mengen Alkohol am Arbeitsplatz wegen Stress und Belastung

20 Gramm entsprechen einem halben Liter Bier oder einem Viertel Wein, und diese Menge trinken Betroffene schnell weg, wenn Stress und Belastung bei der Arbeit sehr groß sind. Aufgrund permanenten Zeit- und Leistungsdrucks zählen die Medien- und die Gesundheitsbranche zu jenen Berufszweigen, in denen man sehr zum »Erleichterungsschluck« neigt, um Druck wegzutrinken und Probleme zu »lösen«, was aber lange Zeit in der Öffentlichkeit weniger bekannt war. Tatsächlich ist die Problematik Alkohol am Arbeitsplatz unter Journalisten ebenso wie zum Beispiel bei Ärzten in beträchtlichem Ausmaß beobachtbar – und besonders tabuisiert.

 

Risikofaktoren wie Trinksitten, Stress und Monotonie

Allgemein bekannter ist die Problematik Alkohol am Arbeitsplatz bei anderen Berufsgruppen. Spitzenreiter sind hier die Arbeitnehmer aus dem Bau- und Hilfsgewerbe, gefolgt von den Sicherheitsbranchen und den Beschäftigten in Gastgewerbe und Hotellerie. Einer der Hauptrisikofaktoren für den Missbrauch von Alkohol am Arbeitsplatz sind beispielsweise vorherrschende Trinksitten (wie das klassische, gemeinsame Bier unter Kumpels).

Aber auch Stress, Überforderung, Unterforderung, monotone Arbeit und mangelnder Einfluss auf Entscheidungsprozesse veranlassen viele Arbeitnehmer dazu, diese Probleme mit dem Konsum von Alkohol am Arbeitsplatz zu lösen.

 

Alkohol am Arbeitsplatz als wirtschaftlicher Faktor

Alkohol am Arbeitsplatz verursacht neben dem oft großen persönlichen Leid für Betroffene und deren Angehörige auch ökonomischen Schaden für die Gesellschaft.

Täglich entsteht bei Unternehmen ein alkoholbedingtes Defizit, das einerseits durch alkoholbedingte Krankenstände verursacht wird – diese werden von Betroffenen im Schnitt dreimal so häufig in Anspruch genommen wie der Durchschnitt von Arbeitnehmern. Andererseits entstehen durch Alkohol am Arbeitsplatz Probleme sozialer Natur wie zusätzliche Belastungen für andere Mitarbeiter und Vorgesetzte, aber auch durch Fehlleistungen sowie durch erhöhte Mitarbeiterfluktuationen. Schlussendlich werden 30 Prozent aller Arbeitsunfälle durch Beeinträchtigungen im Zusammenhang mit Alkohol am Arbeitsplatz verursacht.

Warum Alkohol am Arbeitsplatz aus unterschiedlichen Gründen von Führungskräften ignoriert wird

Viele Führungskräfte und Betriebsräte scheuen sich, entsprechende Gespräche mit gefährdeten oder bereits erkrankten Mitarbeitern zu führen, weil es ihnen beispielsweise peinlich ist. Außerdem haben viele Verantwortliche zu wenig Wissen über die Risikofaktoren von Alkohol am Arbeitsplatz.

Weiters sind falsche Strategien im Umgang mit Alkoholkranken stark verbreitet. Wenn ein Suchtproblem bereits augenscheinlich ist, wird oft nicht die zuständige Füh­rungs­kraft aktiv. Stattdessen wird an Betriebsarzt, Betriebsrat oder Personalabteilung delegiert, die ihrerseits mit der Situation überfordert sind.

Eine kontraproduktive Praxis ist auch das Abschieben von unbequemen Mitarbeitern in andere Abteilungen. Häufig ist auch das so genannte Co-Abhängigkeitsverhalten zu beobachten: Chefs, die über offensichtliche Fehler hinwegsehen, oder Kollegen, die für alkoholkranke Mitarbeiter kurzfristig Arbeit übernehmen.

Mit solchen Strategien, die oft gut gemeint sind und zum Erhalt eines Arbeitsplatzes beitragen sollen, wird jedoch in Wirklichkeit verhindert, dass alkoholkranke Mitarbeiter sich mit der Krankheit auseinandersetzen müssen.

Früherkennung. Früherkennung bei Alkohol am Arbeitsplatz ist ein Qualitätsmerkmal der jeweiligen Unternehmenskultur. Führungskräfte sollten offenherzig ihren eigenen Trinkstil und den Umgang mit Alkohol am Arbeitsplatz reflektieren. Dementsprechend ist es auch notwendig, wichtige Informationen über Gebrauch, Missbrauch und Abhängigkeit von Alkohol bereitzustellen. Dazu gehört das Erkennen von Verhaltensweisen, die auf eine Alkoholgefährdung hinweisen könnten, und das Führen effektiver Konfrontationsgespräche mit möglichen betroffenen Mitarbeitern.

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Ann-Marie Nüsslein

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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