Akne vulgaris frühzeitig therapieren

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Fast jeder Mensch ist in den Jahren der Pubertät meist von einer leichten Akne vulgaris betroffen, wobei das Ausmaß der Erkrankung unterschiedlich ist.

Akne vulgaris ist eine Erkrankung, an der die meisten ­Jugendlichen in irgendeiner Form einmal leiden. Hauttyp und hormonelle Einflüsse verursachen vor allem in der ­Pubertät charakteristische Veränderungen am Talgdrüsen­follikel. Diese führen in talgdrüsenreichen Körperarealen (Gesicht, Schultergürtel) zur Entstehung der polymorphen Akneeffloreszenzen (vulgo: Wimmerl). Nicht nur die kosmetische Beeinträchtigung und die dadurch wachsende psychische Belastung der jungen Patienten erfordern es diese Erkrankung zu behandeln, vielmehr sollte das Behandlungsziel das Verhindern von Spätfolgen (Narben) sein. Keratolyse, Bakteriostase und Unterdrückung der Talgproduktion sind die immer aktuellen Anforderungen an die Akne vulgaris-Therapie.

 

Akne­effloreszenzen während der Pubertät

Fast jeder entwickelt während der Pubertät Akne­effloreszenzen, die Ausprägung der Akne ist aber so unterschiedlich, dass sich später nur noch etwa 10% der Erwachsenen daran erinnern darunter gelitten zu haben. Drei wesentliche Voraussetzungen für die Entwicklung einer Akne sind: talgdrüsenreiche, fette (seborrhoische) Haut, hormonelle Einflüsse (Androgene, Nebennierenhormone, Gestagene), übermäßige Verhornung der Talgdrüsenausführungsgänge und erhöhte Aktivität von Standortkeimen (Pityrosporum ovale, Propionibacterium acnes, verschiedene Kokken).

Der Hauttyp ist uns wie unsere Augenfarbe in die Wiege gelegt. Fette, zu Akne neigende Haut verfügt über verhältnismäßig große Talgdrüsen mit verstärkter Talgproduktion. Der Talgdrüsenfollikelkanal füllt sich langsam mit einem Gemisch aus Talg und abgeschilferten Hornzellen (Keratin) und es bildet sich das so genannte Follikelfilament. Gleichzeitig kommt es im oberen Anteil des Talgdrüsenfollikels durch eine abnorme Verhornung zu ­einer relativen Verengung des Follikelausführungsganges. Durch den Anstau immer größerer Mengen an Talg und Keratin entsteht aus dem Follikelfilament der Mikrokomedo und daraus der Komedo (der »Mitesser«) – die primäre Akne­effloreszenz.

Es gibt zwei Arten von Komedonen, solche mit einem weit geöffneten, jedoch starren Follikelausgang (offene Komedonen), in denen der verhärtete Follikelinhalt wie ein fester Pfropf haftet und an der Oberfläche als schwarzes Pünktchen sichtbar ist (»blackhead«) und solche, die wie in die Oberhaut (Epidermis) eingebettete Glasstecknadelköpfe als gelblich-weißliche Knötchen imponieren, die geschlossenen Komedonen (»whiteheads«). Der geschlossene Komedo stellt eine »Zeitbombe« im Ablauf der Akne dar und gilt als Voraussetzung für die Weiterentwicklung der Erkrankung.

 

Frühzeitig Akne vulgaris behandeln

Die entscheidende Rolle der Androgene erklärt das zeitliche Zusammentreffen der Akne mit der Pubertät. Sowohl in den Hoden als auch in den Ovarien sowie in den Nebennieren werden vermehrt androgen wirksame Substanzen gebildet. Diese haben über spezielle Androgenrezeptoren in der Haut und vor allem an den Talgdrüsen selbst eine direkt stimulierende Wirkung auf die Talgproduktion. Vermutlich führt der vermehrte Talgfluss und die dadurch bedingte Zusammensetzung des Talgs zu einer Hyperkeratose des Follikel­epithels. Als Folge davon kommt es zum Verschluss der Follikelöffnung, zum Talgrückstau und weiters zur Entstehung der Mitesser (Komedonen).

Bei manchen Patientinnen kommt es in der zweiten Zyklushälfte zur Zunahme an Akneeffloreszenzen, da die in dieser Phase produzierten Gestagene androgene Wirkung entwickeln können. Trotzdem bleibt festzuhalten, dass die Serumhormonspiegel bei den meisten Aknepatienten im Normbereich liegen, durch die individuell höhere Sensibilität der Rezeptoren ist jedoch eine ausgeprägtere Hormonwirkung möglich.

Sollten Anzeichen von hormonellen Dysregulationen in Form von ausgeprägten Zyklusunregelmäßigkeiten vorhanden sein, kann ein gynäkologisches Konsil oder eventuell die Bestimmung der Serumhormonspiegel möglicherweise bei der Wahl des geeigneten Therapeutikums helfen. Die saprophytäre Keimbesiedelung auf der menschlichen Haut kann sich bei bestimmten Bedingungen massiv vermehren und dann gegebenenfalls auch pathogen werden.

Im oberen Anteil des Haar-Talgdrüsen-Follikels leben aerobe Mikroorganismen wie der Hefepilz Pityrosporum ovale und Mikrokokken (Staphylokokkus aureus, Staphylokokkus epidermidis), in der Tiefe des Follikelkanals das an­aerobe Corynebacterium acnes (syn. Propionibacterium acnes). Diese Standortkeime sind bei fetter, zu Akne neigender Haut vermehrt und besonders aktiv – sowohl hinsichtlich der Spaltung von Talgdrüsenfetten durch ihre Enzyme als auch durch ihre ­Rolle bei der Entstehung der Entzündungsreaktion. So entsteht aus der primären Akne­effloreszenz, dem Komedo, eine sekundäre Akneeffloreszenz (Papel, Pustel, Knoten).  Die »Zeitbombe« tickt und explodiert schließlich.

 

Therapie der Akne vulgaris

Keratolyse, Bakteriostase und Hemmung der Talgproduktion – das sind die Anforderungen die man an ein potentes Aknetherapeutikum stellt. Ein Produkt, das diesen drei Anforderungen im gleichen Maß gerecht wird, steht uns derzeit noch nicht zur Verfügung. Durch die Kombination von verschiedenen äußerlichen (topischen) Behandlungsmaßnahmen und gegebenenfalls einer systemischen Therapie ist es aber möglich fast jede Form der Akne zu bessern, Behandlungsziel ist das Verhindern von Spätfolgen (Narben).

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Bei leichten und mittelschweren Formen der Akne comedonica und papulopustulosa genügt meist die topische Anwendung geeigneter Externa. Reinigung mit synthetischen Detergenzien (Syndets = seifenfreie Seifen) oder diversen Reinigungsgels ist empfehlenswert, alkoholische, stark irritierende Lotionen sind zu meiden. Schälende (keratolytische) Substanzen, eventuell in Kombination mit antibiotisch/antimikrobiell wirksamen Lokaltherapeutika sind bei den meisten Formen juveniler Akne zur Behandlung der primären Akneeffloreszenzen ausreichend.

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Hartnäckige Akneformen erfordern eine stärkere Keratolyse: z.B. mit lokal applizierbaren Vitamin-A-Derivaten. Irritative Dermatitis und verstärkte UV-Empfindlichkeit sind aber als mögliche Begleiterscheinung zu erwarten. Bei Resistenz gegenüber allen bisher genannten Maßnahmen oder in Fällen besonders ausgeprägter Akne papulopustulosa, Akne nodulocystica bzw. Acne conglobata ist die systemische Behandlung indiziert.

Dazu stehen Antibiotika, Antiandrogene und Retinoide zur Verfügung. Für den Hauttyp geeignete Pflegeprodukte ergänzen die medizinische Aknebehandlung. Vielfach ist auch die fachmännische »Aknetoilette«, die manuelle Expression der übermäßigen Talgmassen und Reinigung der seborrhoischen Haut hilfreich die Komedonen frühzeitig unter möglichst sterilen Bedingungen, vorsichtig zu entfernen (kosmetische Aknebehandlung), damit es gar nicht zur Bildung sekundärer Akneeffloreszenzen kommt. Wichtig dabei ist es, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen kosmetischer Aknebehandlung und medizinischer Aknebehandlung durch den Arzt zu finden. Die Zusammenarbeit zwischen gut ausgebildeten KosmetikerInnen und Akne-versierten ÄrztInnen erweist sich für eine erfolgreiche Aknebehandlung immer öfter als sinnvoll.

Quelle: Akne vulgaris. Univ.-Prof. Dr. Daisy Kopera. MEDMIX 06/2004.

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Dr. Reinhold Lautner

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