Ältere Menschen – was ihnen gut tut

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Ältere Menschen sind oft gesünder und lebensfroher, als viele jüngere vermuten, eine wichtige Rolle spielt die Arzneimittelversorgung im Alter.

Viele Krankheitsaspekte, die speziell im Alter auftreten, werden nach wie vor zu wenig berücksichtigt. Grundsätzlich wird das Alter mit negativen Gefühlen, Krankheit und Pflegebedürftigkeit verbunden, was in vielen Fällen aber nicht gerechtfertigt ist. Ältere Menschen sind oft gesünder und lebensfroher als jüngere annehmen. Dabei ist allerdings festzuhalten, dass sie oft gleichzeitig an mehreren Erkrankungen leiden.

 

Arzneimittelversorgung im Alter

Ältere Menschen benötigen oft viele Medikamente – mehr als die Hälfte aller Arzneimittel wird über 60-jährigen Personen verschrieben. Alte Menschen nehmen im Durchschnitt drei verschiedene Medikamente dauerhaft ein, wobei einerseits zu viele, andererseits aber auch zu wenige Mittel verordnet werden. Hinzu kommen, wie aus Studien der letzten Jahre hervorgeht, quantitative und auch qualitative Unterschiede in der medikamentösen Behandlung zwischen verschiedenen Gruppen erkrankter älterer Menschen sowie auch zwischen älteren Frauen und älteren Männern. Das betrifft beispielsweise die Schmerztherapie, die Krebsbehandlung sowie den Einsatz von vorbeugenden Medikamenten.

 

Nebenwirkungen ernst nehmen

Oftmals leiden ältere Menschen an unerwünschten Arzneimittelwirkungen und landen deshalb häufiger als jüngere in Notfallambulanzen und Krankenhäusern. Bereits in klinischen Studien werden ältere Patienten zu wenig berücksichtigt, obwohl sich der Stoffwechsel mit zunehmendem Alter ändert und Medikamente anders wirken als bei jungen Menschen. Daraus folgen in der Praxis Unsicherheiten bei ihrer Behandlung, für multimorbide Patienten fehlen Therapierichtlinien, und die bestehenden Empfehlungen sind für praktisch tätige Ärzte nicht immer hilfreich.

 

Ältere Menschen in Studien

Es gibt aber auch Hoffnungen: Das Konzept erweiterter Therapieerfolgskriterien bei der Durchführung und Bewertung von Studien unter Einschluss multimorbider Patienten wird langsam umgesetzt. Zu Recht wurde auch angeregt, in Studien zu medikamentösen Therapien unter Einschluss älterer Patienten, die ja später zu den Haupt-Nutznießern der Behandlung zählen, eventuelle ungünstige Wirkungen auf die funktionelle Alltagskompetenz wie etwa ein erhöhtes Sturzrisiko mit zu untersuchen.

 

Schlaganfallprävention ­besonders im Alter

Über die Hälfte der Patienten hat beim ersten Schlaganfall das 70. Lebensjahr überschritten. Neben einer Akutmortalität von 20% hinterlässt das Ereignis fast ausnahmslos bleibende Schäden und Behinderungen. Das Ziel der Schlaganfallprophylaxe ist daher für den Erhalt einer guter Lebensqualität und Selbständigkeit entscheidend. Die vorbeugenden Maßnahmen müssen verstärkt genutzt werden, das macht auch bei hochbetagten Patienten noch sehr viel Sinn, wie in Studien gezeigt werden konnte.

Eine entscheidende Rolle spielt die konsequente Behandlung von Patienten mit Hypertonie und hier insbesondere von solchen mit isolierter systolischer Hypertonie. Auch bei Über-80-Jährigen kann bei konsequenter Behandlung das Schlaganfallrisiko um die Hälfte verringert werden, wofür eine breite Palette gut verträglicher Medikamente zur Verfügung steht. In verstärktem Maße – bei einer Risikoreduktion bis 70% – gilt das auch für die Gabe von Gerinnungshemmer bei Patienten mit absoluter Arrhythmie bei Vorhofflimmern.

 

Maßnahmen gegen Demenzerkrankungen

Zum Vermeiden von Demenzerkrankungen stehen Impfstoffe und andere protektiven Maßnahmen im Fokus. Erste Versuche mit einem Impfstoff wurden in Florida um die Jahrtausendwende vorgenommen, nachdem die Resultate im Tierversuch sehr erfolgreich waren. Dabei erlitten mehrere Patienten eine Hirnhautentzündung, was der Zusammensetzung des Impfstoffes zugesprochen wurde. Deswegen wurden diese Untersuchungen beendet. Für etwa 100 geimpfte Patienten, die nicht an einer Hirnhautentzündung erkrankten, zeigen Langzeitdaten, dass im Vergleich zu Kontrollgruppen das Fortschreiten der Demenz signifikant verlangsamt werden konnten. An der MeduniWien laufen vielversprechende Untersuchungen mit einer Tau-Protein-basierten Impfung.

Bei pflanzlichen Präparaten gibt es für Ginkgo biloba die erfolgversprechendsten Daten. Weitere bekannte Heilpflanzen zur Stärkung des Gedächtnisses sind Huperzia serrata, verschiedene Ginsengarten wie Engelwurz (Ginseng für Frauen), Chinesischer Ginseng und Panax ginseng, Lecithin, Rote Baumpfingstrose und das indische Wassernabelkraut (Gotu Kola / Centella asiatica).

Substanzen gegen oxidativen Stress versprechen ebenfalls Effekte gegen Demenz. Hier spielt eine ausgewogene Ernährung mit viel Antoxidantien eine wichtige Rolle. Das gewährleistet beispielsweise die mediterrane Diät mit viel Gemüse und Früchten (Vitamin C und E), viel Fisch und Olivenöl mit Omega-3 Fettsäuren. Ältere Menschen mit eingeschränkter Darmfunktion können den Einsatz von Prä- und Probiotika versuchen. Auch eine gute Bildung und soziale Aktivitäten bis ins hohe Alter wirken protektiv.

Selbst wenn eine Demenz besteht, gilt es, frühzeitig auf Ernährungsprobleme zu achten. Im Wesentlichen unterscheidet sich die Ernährung Demenzkranker nicht von der anderer Senioren, zu achten ist aber besonders auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

 

Unterernährung von betagten Menschen

Während bis zum 65. Lebensjahr Übergewicht vorherrscht, weisen etwa 15% der Hochbetagten, die noch zu Hause leben und 40–50% jener alten Menschen, die akut ins Krankenhaus kommen, eine Malnutrition auf. Ältere Menschen, die immer mehr Gewicht abnehmen, haben grundsätzlich eine erhöhte Krankheitsrate und sterben früher. Die durch Mangelernährung verursachte Abnahme der Muskelmasse und Muskelschwäche sowie dadurch hervorgerufene Stürze mit der Folge einer Schenkelhalsfraktur beeinträchtigen überflüssigerweise die Lebensqualität.

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Rainer Müller

MEDMIX-Redaktion, Projektleiter, AFCOM Digital Publishing Team

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