Aciclovir und Penciclovir bei Lippenherpes

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Ein geschwächtes Immunsystem kann zu einer Lippenherpes-Infektion führen – Aciclovir und Penciclovir sind seit Jahren bewährte Wirkstoffe bei Herpes labialis.

Viren und Bakterien können durch das kalte, feuchte Klima im Freien und die trockene Heizungswärme, die für die Schleimhäute eine schwere Belastung darstellen, unseren Körper wirkungsvoller attackieren. Ausgetrocknete Atemwege versagen in ihrer Funktion als schützende Barriere und bieten eine der Haupteintrittspforten für pathogene Keime. Durch das geschwächtes Immunsystem treten oft Erkältung oder grippaler Infekt auf. Neben akutem Stress, Müdigkeit oder starker UV-Strahlung ist es oftmals genau dieser Krankheitszustand, der es auch Herpes-Viren leicht macht, aus dem Wartezustand zu erwachen und Lippenherpes bzw. Herpes labialis (Herpes simplex labiales) zu verursachen.

Kommt es zu einem Herpes-Schub, so wandern die Viren aus ihrem Reservoir entlang antikörperfreier Nervenbahnen und befallen die Epidermis. Es kommt zur Schädigung der Oberhaut, deren erste Anzeichen sich lediglich als leichtes Kribbeln und Spannungsgefühl – meist am Lippenrand – äußern. Binnen kürzester Zeit bilden sich charakteristischerweise mehr oder weniger gruppierte, schmerzhafte Bläschen oder Erosionen auf gerötetem Untergrund.

 

Lippenherpes behandeln: Aciclovir und Penciclovir

Trotz mangelnder kausaler Therapie zur Eradikation des Lippenherpes-Erregers, existieren mehrere Möglichkeiten, schmerzhafte Bläschen mit einem effektiven Therapiekonzept zu konfrontieren. So sollte die Wahl der Lokaltherapie sorgfältig auf die momentane Phase der Herpes simplex-Infektion abgestimmt werden. Während sich Wirkstoffe der Virustatika-Gruppe hervorragend in der Anfangsphase bzw. in der Bildungsphase der Bläschen eignen, um die virale Replikation möglichst einzudämmen, so sind in der Austrocknungs- sowie Heilphase eher entzündungshemmende, schmerzlindernde sowie lokal desinfizierende Maßnahmen erforderlich.

Primäres Ziel der medikamentösen Behandlung von Herpes simplex-Infektionen ist es, die Ausbreitung der aktiven Viren durch Suppression der viralen DNS-Synthese, zu hemmen. Eine der bekanntesten Substanzgruppen bei Lippenherpes sind Nucleosid-Analoga wie Aciclovir und Penciclovir. Diese hemmen in ihrer aktiven Form den Zellstoffwechsel, wobei der große Vorteil darin liegt, dass sich die Inaktivierung ausschließlich auf virusinfizierte Zellen beschränkt.

Ziel der Therapie ist die Hemmung der intrazellulären Virusreplikation. Für eine funktionierende virale Vermehrung benötigen Lippenherpes-Erreger eine Reihe verschiedener Enzyme, unter anderem die virale Thymidinkinase, deren Aufgabe es ist, das zelleigene Nucleosid Thymidin während der viralen Replikation zu phosphorylieren. Die Phosphatmarkierung des somit aktivierten Thymidins dient als Täuschungsmanöver für die zelluläre DNA-Polymerase, welche nun neben der zellulären DNA auch die Virus-DNA transkribiert. Die Wirkung eines Nucleosid-Analogons greift genau in diesem Umfeld ein, um schlussendlich einen Aminosäure-Kettenbruch zu erzielen. So erkennt die virale Thymidinkinase Wirkstoffe der Gruppe Nucleosidanaloga als Thymidin und führt die Phosphorylierung durch.

Die phosphatmarkierte Form der Nucleosid-Analoga ist jedoch für die DNA-Synthese und somit für eine weitere Virusvermehrung unbrauchbar. Aciclovir-hältige Lippenherpespräparate wirken selektiv auf humanpathogene Herpesvieren und zeichnen sich durch ihr vorteilhaftes Verträglichkeitsprofil sowie hohe Sicherheit aus – eine Aufnahme in den Blutkreislauf erfolgt nicht.

Wie auch Aciclovir, hemmt Penciclovir die in den virusinfizierten Zellen stattfindende DNA-Synthese und ist daher für die topische Anwendung bei Lipenherpes zugelassen. Die topische Anwendung von Aciclovir sollte fünfmal täglich alle vier Stunden, die Applikation von Penciclovir alle zwei Stunden über vier Tage lokal erfolgen. Besonders wichtig ist es, das Präparat mit Hilfe eines Wattestäbchens möglichst dünn auf die bereits infizierten als auch auf die unmittelbar benachbarten Hautareale aufzutragen.

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Axel Rhindt

MEDMIX-Redaktion, AFCOM Digital Publishing Team

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