Zusammenhang ACE-Hemmer Lungenkrebs untersucht

0

Eine aktuelle britische Studie berichtet über einen möglichen Zusammenhang ACE-Hemmer Lungenkrebs. Doch viele Herzspezialisten entwarnen.

Millionen von Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden medikamentös mit ACE-Hemmern behandelt. Das gilt für nahezu jeden zweiten Bluthochdruck-Patient in unseren Breiten. Schließlich zählen dazu auch alle Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz und alle Patienten nach Herzinfarkt. Diese nehmen entweder ACE-Hemmer oder AT1-Rezeptor-Blocker ein, um ihre Prognose zu verbessern. Prinzipiell haben zahlreiche Studienergebnisse nachgewiesen, dass diese medikamentöse Therapien lebensverlängernd wirkt und die Beschwerden verbessern. Dementsprechend groß war die Verunsicherung, als die britischen Forscher aktuell über einen Zusammenhang ACE-Hemmer Lungenkrebs und einem höheren Krebsrisiko berichteten.

 

ACE-Hemmer Lungenkrebs: Mögliches erhöhtes Risiko für ein Bronchialkarzinom untersucht

Bei Patienten, die ACE-Hemmer einnehmen, ist aufgrund von kürzlich publizierten Daten einer britischen Studie
Verunsicherung entstanden. Wissenschaftler aus Großbritannien hatten bei mit ACE-Hemmern behandelten
Patienten ein höheres Lungenkrebsrisiko beobachtet als bei Patienten, die AT1-Rezeptor-Blocker oder
andere blutdrucksenkende Wirkstoffe einnehmen.

Mit ACE-Hemmern versorgte Patienten wiesen demnach gegenüber AT1-Antagonisten einnehmenden Patienten eine um 14% und gegenüber einer Gruppe, die andere Blutdrucksenker erhielt, eine um 6 % höhere Wahrscheinlichkeit auf, Lungenkrebs zu entwickeln.

 

Schwäche der Studie

Bei der Einordnung der Daten muss laut Experten der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie beachtet werden, dass sie Ergebnis einer reinen Beobachtungsstudie sind, die naturgemäß zunächst einmal mögliche Zusammenhänge aufzeigen, nicht aber Aussagen zu Ursache und Wirkung treffen kann.

„Eine ganz wesentliche Schwäche der Studie ist, dass diverse beeinflussende Faktoren nicht berücksichtigt
werden konnten, weil keine Informationen dazu vorlagen. Lungenkrebserkrankungen sind multifaktoriell bedingt
und somit ist eine Kontrolle für andere beeinflussende Faktoren sehr wichtig in solchen Studien “, kommentiert
der Pharmakologe Prof. Dr. Ulrich Kintscher.

Nicht mit in die Untersuchung einbezogen wurden beispielsweise der sozioökonomische Status, die Ernährungsgewohnheiten der Patienten und familiäre Vorbelastungen für Lungenkrebs. „Vor allem aber gab es keine Daten zu Dauer und Intensität, mit der die Patienten Tabak konsumierten. Dauer und Ausmaß des Zigarettenkonsums sind aber ganz entscheidende Faktoren in dem Zusammenhang, da sie sowohl die Entstehung von Bluthochdruck beeinflussen als auch wesentlich das Risiko für Bronchialkarzinome bestimmen“, so Kintscher weiter.

 

Studie als Signal ernst nehmen

Bedacht werden müsse darüber hinaus, dass die Daten der britischen Studie sich in eine lange Liste äußerst diverser Studienergebnisse einreihen. In manchen vorhergegangenen Studien zeigte sich ein Zusammenhang, in anderen wiederum nicht. Als Signal wird die Studie in Kardiologenkreisen jedoch ernst genommen. Es gilt allerdings, stets sorgfältig zwischen dem Nutzen, den Patienten aus der Therapie ziehen, und den Risiken abzuwägen. Die Experten fordern weitere Studien, um die Frage abschließend beurteilen zu können.

Ein sogenannter „Detection-Bias“ entsteht zudem durch eine häufige Nebenwirkung der ACE-Hemmer, die
bei vielen Patienten Reizhusten verursachen. Dies führt dazu, dass Ärzte Reizhusten-Patienten häufig mit bildgebenden Maßnahmen auf Erkrankungen der Lunge untersuchen lassen. Dementsprechend entdeckt man auch öfter Karzinome als bei anderen Patienten.

 

Was die Ergebnisse bedeuten

Laufs und Kintscher sind sich einig: Aufgrund der nun erschienenen Daten besteht aktuell zunächst einmal
kein Anlass, die Medikation von mit ACE-Hemmern behandelten Patienten, die das Medikament gut vertragen,
umzustellen. „Viel mehr Sorgen sollten die häufig zu niedrig angesetzte Dosierung der Medikamente
durch die Ärzte und die oft mangelnde Einnahmetreue der Patienten bereiten“, meint Laufs.

Ärzte sollten weiterhin ihre Herz- und Bluthochdruckpatienten mit diesen sehr nützlichen und lebensverlängernden Präparaten behandeln und diese auf keinen Fall abgesetzen. „Bei bestimmten Patienten, beispielsweise mit erhöhtem Risiko für oder bereits bestehenden Lungenkrebserkrankungen, kann der Ersatz des ACE-Hemmers erwogen werden“, ergänzt Kintscher.

Patienten sollten alle Sorgen, Bedenken und Probleme bezüglich ihrer Medikation offen mit ihrem behandelnden Arzt besprechen, rät die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie.

Quelle:

Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK)
Pressetext DGK 11/2018 – https://dgk.org/

Share.

About Author

MEDMIX Online-Redaktion

Blick in den Newsroom der MEDMIX Print- und Onlineredaktion in Zusammenarbeit mit AFCOM – Verlag und Medienproduktionen.

Comments are closed.