Mittwoch, April 24, 2024

20. European Health Forum Gastein

Gesundheit in Europa im Jahr 2037 – am 20. European Health Forum Gastein vom 4. bis 6. Oktober 2017 werden drei Zukunftsszenarien diskutiert.

Die Gesundheit der EuropäerInnen in 20 Jahren – wie wird diese gewährleistet? Beim 20. European Health Forum Gastein – das European Health Forum Gastein findet vom 4. bis 6. Oktober in Bad Hofgastein statt – werden drei Zukunftsszenarien diskutiert:

  • »Die gesunde Zukunft liegt in den Gemeinden und Städten«,
  • »Mit Eigenverantwortung die persönliche Gesundheit erhalten« und
  • »Technologische Innovation bestimmt Gesundheit«.

Welche Entscheidungen sind heute zu treffen, um mehr gesunde Lebensjahre zu gewährleisten und die großen Gesundheits-Unterschiede in Europa zu verringern?

Die Ausgangslage in Europa ist durchaus eine Herausforderung für die Gesundheitspolitik: Die Menschen werden älter, doch die in guter Gesundheit verbrachten Jahre steigen nur bescheiden an. Innerhalb Europas gibt es den »big gap« gleich mehrfach, beim Lebensstil, bei der Lebenserwartung und bei den Ausgaben für die Gesundheitsversorgung herrschen große Unterschiede, vor allem zwischen West- und Osteuropa.

Gesundheit in Europa: »the big gap« und exzessiver Lebensstil

Laut dem jüngsten WHO-Gesundheitsreport leben die EuropäerInnen am exzessivsten. Im Trinken und Rauchen liegen die EuropäerInnen an der Weltspitze. Dicker sind nur die AmerikanerInnen, doch auch in Europa steigt die Zahl der übergewichtigen und fettleibigen Menschen stetig und liegt bereits bei rund 60 % der Gesamtbevölkerung. Übergewicht, Alkohol- und Nikotinmissbrauch führen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes, chronischen Atemwegserkrankungen. Setzen die EuropäerInnen also die Erfolge der in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbesserten Gesundheitssysteme und medizinischen Versorgung durch ihren Lebensstil wieder aufs Spiel?

Derzeit existiert »the big gap«, die Unterschiede innerhalb Europas sind enorm: Eine spanische Frau lebt im Schnitt 20 Jahre länger als ein russischer Mann. Die SchweizerInnen werden im Schnitt nur ein bis zwei Jahre älter als die Deutschen und die ÖsterreicherInnen, sie verbringen aber fast 10 Jahre länger in guter Gesundheit.

Die Gesundheitsausgaben der öffentlichen Hand liegen bei 11,4 % des BIP (Bruttoinland-Produkt) in der Schweiz bzw. rund 11 % in Ländern wie Deutschland, Frankreich, Schweden, Niederlande oder Österreich. Am wenigsten wird in Rumänien für Gesundheit ausgegeben, nämlich nur rund 5 % des BIP. In Kaufkraft pro EinwohnerIn umgerechnet gibt Luxemburg jährlich fünf Mal so viel Geld für die öffentliche Gesundheit aus als Rumänien. Noch massivere Unterschiede zwischen den europäischen Staaten gibt es bei den Ausgaben für Langzeitpflege.

»EHFG Health Futures Project« gestartet

Wie wird es um die Gesundheit der EuropäerInnen in zwanzig Jahren bestellt sein? Werden wir eine höhere Lebensqualität erreicht haben, werden wir viele Jahre in Gesundheit erleben dürfen? Haben wir einen gesunden Lebensstil in unseren Alltag integrieren können? Gibt es dann Vereinbarungen zwischen den PatientenInnen und dem Staat, in dem die Eigenverantwortung eines Einzelnen eingefordert wird? Hat sich die Medizin und Medizintechnik so weit entwickelt, dass ohnehin (fast) jede Krankheit behandelbar ist und konzentriert sich die Politik somit nicht auf das Gesunderhalten der Menschen, sondern auf das rasche Heilen von Krankheiten?

Beim 20. Europäischen Gesundheitsforum in Gastein werden die vorläufigen Ergebnisse des »EHFG Health Futures Project« erstmals präsentiert – und intensiv diskutiert. Die Grundlagen dafür bilden einer Reihe von Konsultationen mit ExpertInnen in ganz Europa. Diese Reflexionen haben zu drei Szenarien für die Gesundheit in Europa geführt:

Das erste Szenario »Die gesunde Zukunft liegt in den Gemeinden und Städten« geht davon aus, dass soziale Ungleichheiten, Arbeitslosigkeit und Naturkatastrophen zu sozialen Unruhen geführt haben. In diesem Szenario steht die Erreichung einer besseren Lebensqualität und „Lebenszufriedenheit“ im Vordergrund.

Im zweiten Szenario »Mit Eigenverantwortung die persönliche Gesundheit erhalten« wurde ein Rückgang bei den Arbeitskräften, den Geburtenraten und den öffentlichen Finanzen angenommen. Weitere Annahme: Die Regierungen starten »Gesundheitsverträge« und legen die jeweiligen Zuständigkeiten der Regierung und des Einzelnen für die persönliche Gesundheit fest. Der Fokus wird auf Prävention gelegt, die Menschen sind proaktiv und fördern bzw. überwachen ihre Gesundheit selbst.

Im dritten Szenario »Technologische Innovation bestimmt Gesundheit« prägen die Regierungen den Gesundheitstechnologie-Markt proaktiv. Der Staat nimmt eine aktive Rolle als Vermittler ein, er fördert Innovationen mit Zuschüssen und gesundheitspolitische Entscheidungen werden sektorenübergreifend getroffen. Das Health Futures Projekt zielt darauf ab, den EntscheidungsträgerInnen eine Reihe von politischen Optionen zu bieten, die in den nächsten Jahren getroffen werden müssten.

EHFG-Präsident Dr. Clemens Auer: „Wir wissen nicht, was die Zukunft wirklich bringt. Aber die Zukunft der Gesundheit in Europa wird wahrscheinlich eine Mischung aus allen drei Szenarien sein, das European Health Forum Gastein wird ein markanter Startpunkt für diese Diskussionen sein.“ In den vergangenen 20 Jahren hat das European Health Forum Gastein die gesundheitspolitischen Diskussionen in Europa gefördert. Heuer werden erneut zukunftsweisende Ansätze weiterentwickelt, das „Health Futures-Projekt“ ist eins in einer Reihe von Aktivitäten, die Anfang dieses Jahres begonnen haben.

Über das European Health Forum Gastein

Das Europäische Gesundheitsforum Gastein (EHFG) wurde 1998 als Diskussionsplattforum für europäische Gesundheitspolitik gegründet. Es zielt darauf ab, eine Plattform für alle Stakeholder aus dem Gesundheitswesen und darüber hinaus zu schaffen. In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich das EHFG als unentbehrliche Institution im Rahmen der europäischen Gesundheitspolitik etabliert. Es konnte ein entscheidender Beitrag zur Entwicklung von Leitlinien und vor allem zum grenzüberschreitenden Austausch geleistet werden.

Das Tagungsprogramm ist online verfügbar unter: http://ehfg.org

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